Sturm "Sabine": So lief das Krisenmanagement der Bahn

Sturm "Sabine": So lief das Krisenmanagement der Bahn

  • Bahn warnte schon am Freitag vor Störungen durch Sturm
  • Lob und Kritik für Krisenmanagement der Bahn
  • Reisende bemängeln, dass wenige Servicekräfte im Einsatz waren

Über Twitter hatte die Bahn bereits am Freitag Reisende vor Störungen ab Sonntagnachmittag gewarnt und dazu geraten, Bahnfahrten auf einen anderen Tag zu verschieben. Fahrgäste sollten, wenn möglich, ihre Reisen am Sonntag (09.02.2020) und Montag (10.02.2020) umplanen.

Pro Bahn: "Großzügig und vorsichtig"

Aus Sicht von Lothar Ebbers, NRW-Pressesprecher des Fahrgastverbandes Pro Bahn, waren diese Ankündigungen "großzügig im Vorhinein und vorsichtig genug" getroffen worden. Ab 18 Uhr am Sonntag wurde der Bahnverkehr bundesweit vollständig eingestellt. Für die Tickets im Fernverkehr hatte die Bahn die Zugbindung aufgehoben und die Gültigkeit der Fahrkarten bis Dienstag, 18.02.2020, verlängert.

Frank Roselieb vom Kieler Institut für Krisenforschung zollte der Bahn im WDR ein großes Lob dafür, dass sie diesmal nicht bis zum letzten Augenblick Passagiere von A nach B transportiert habe.

Krisenforscher: "Ein recht schlauer Schachzug"

"Jetzt hat man sich dazu entschieden, die Passagiere lieber bei A zu behalten und sie im Bahnhof zu versorgen. Das war eigentlich ein recht schlauer Schachzug. Es ist natürlich wesentlich einfacher, Passagiere in einem Bahnhof zu versorgen und da auch unmittelbar die Weiterreise zu ermöglichen, als sich auf freier Strecke um die Versorgung und Kommunikation kümmern zu müssen."

Was hätte besser laufen können?

Die Informationen, die den Berufsverkehr am Montagmorgen betrafen, hätten laut Pro-Bahn-Sprecher Ebbers aber "etwas früher und über mehr Kanäle" bekannt gegeben werden können. Erst am Vorabend hätte die Bahn gemeldet, dass Montag ab 7 Uhr die Strecken inspiziert und geräumt würden. Der Regionalverkehr würde in dieser Zeit nicht rollen.

Ab 10 Uhr am Montagmorgen nahmen einzelne Linien ihren Betrieb wieder auf. Die privaten Anbieter Abellio und National Express waren in NRW unter den Ersten. Das läge vor allem daran, dass sie "ihr Personal nach Linien organisiert hätten", so Lothar Ebbers. Das heißt: Das Personal wohne näher am Arbeitsort und auch die Werke für die Zug-Wartung seien direkt an eine Linie gekoppelt.

Schienenersatzverkehr und Taxi-Gutscheine

"Man hat verstärkt Personal eingesetzt, allerdings hauptsächlich für die Räumung der Strecken", so Ebbers. Reisende bemängelten etwa, dass an einigen Bahnhöfen zu wenig Service-Kräfte und freiwillige Helfer vor Ort gewesen seien.

Sturmtief Sabine: Einschätzung der WDR-Wetterredaktion

WDR 5 Morgenecho - Interview 08.02.2020 02:25 Min. Verfügbar bis 07.02.2021 WDR 5

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Der Schienenersatzverkehr habe gut funktioniert, an den großen Bahnhöfen gab es aber auch Probleme. Der Ansturm auf Taxis am Kölner Hauptbahnhof sei chaotisch gewesen, berichtet WDR-Reporter Jochen Hilgers. Ähnlich sah eine Bahnreisende die Situation am Frankfurter Hauptbahnhof: Es seien gerade einmal zwei Bahn-Mitarbeiter vor Ort gewesen, um Taxi-Gutscheine zu verteilen.

Wie sieht die Lage am Dienstag aus?

Der Regional-Bahnverkehr ist "weitestgehend wieder angerollt", teilte die Deutsche Bahn am Montagabend mit. Es komme aber noch zu Verspätungen, Ausfällen und Änderungen im Zuglauf. Laut dem Deutschen Wetterdienst (DWD) soll es weiterhin stürmisch bleiben und vereinzelt starke Böen sowie Schauer und Gewitter geben.

Fotos: Sturmtief "Sabine" über NRW

Schulen, Verkehr und Sport: Sturmtief "Sabine" wirbelt das Leben in NRW durcheinander. Überall im Land kommt es zu Einschränkungen wegen des Sturms.

Ein Dach in St. Augustin ist wegen des Sturms "Sabine" eingestürzt. Im Vordergrund des Bildes liegt das zerbeulte Dach auf einer Straße, im Hintergrund stehen Häuser, eines hat ebenfalls ein beschädigtes Dach.

In St. Augustin ist wegen des Sturms ein Dach eingestürzt.

In St. Augustin ist wegen des Sturms ein Dach eingestürzt.

Überall im Land kommt es zu Einschränkungen wegen des Sturmtiefs "Sabine". Bäume werden umgeknickt, Ziegel von den Dächern geblasen und der Verkehr stark beeinträchtigt.

Die Deutsche Bahn hat den Zugverkehr in NRW wegen des Sturms "Sabine" komplett eingestellt. So blieben die Bahnsteige wie hier in Düsseldorf verwaist.

Wegen der Einstellung des Bahnverkehrs "strandete" so mancher Reisende in einem Bahnhof fernab seines Reiseziels.

Herford: Einer der vielen Bäume, die dem Wind nicht mehr standhielten.

In Düsseldorf wurden Autos durch umgestürzte Bäume beschädigt.

In Viersen boten diese Unterstellplätze den geparkten Autos nur geringen Schutz.

Auch in Essen hatte diese Buche dem Sturm nichts entgegenzusetzen.

Dieser Baumstamm wird den Feuerwehrleuten in Bochum-Wiemelhausen noch Arbeit machen.

Zahlreiche Straßen mussten wie hier in Kierspe wegen umgestürzter Bäume gesperrt werden.

Glück hatten die Insassen dieses Autos in Mülheim an der Ruhr. Sie erlitten bei diesem Unfall nur leichte Verletzungen. Ein Baum hatte ihren Wagen getroffen.

Auf der A45 laufen die Aufräumarbeiten

Dortmund: Ein Baum ist auf ein Wohnhaus gestürzt. Verletzt wurde niemand.

In Wuppertal-Elberfeld stürzt ein Baum gleich auf vier Autos.

In Heek zerstört ein Baum einen Dachgiebel. Auch hier kommen die Bewohner mit einem Schrecken davon.

An den beiden größten NRW-Flughäfen Düsseldorf und Köln/Bonn sind am Montag wegen des Sturms "Sabine" insgesamt 165 Flüge storniert worden. In Düsseldorf hätten Airlines 120 Verbindungen gestrichen, in Köln/Bonn seien es 23 Starts und 22 Landungen, teilten Sprecher der Flughäfen mit.

Stand: 10.02.2020, 19:38

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