RWE-Mitarbeiter verlangen Gehör

Mahnwache am Kraftwerk Weisweiler

RWE-Mitarbeiter verlangen Gehör

Von Franjo Galunic

  • RWE-Mitarbeiter fürchten um ihre Jobs
  • Große Angst vor Angriffen
  • Kritik an Berichterstattung

"Wenn hier von heute auf morgen die Schotten dichtgemacht werden, wird eine ganze Region plattgemacht", sagt Mitarbeiter Dietmar Krauthausen. Und er zieht einen Vergleich zum Ruhrgebiet nach dem Aus der Steinkohle. Die Angst arbeitslos zu werden ist das beherrschende Thema, nicht nur bei älteren RWE-Beschäftigten.

Mahnwache am Kraftwerk Weisweiler

RWE Mitarbeiter bei der Mahnwache am Kraftwerk Weisweiler

Auch die Jüngeren machen sich Sorgen. So möchte Azubi Alexander Bettag nach seinem Abschluss gerne in dem Konzern bleiben. Die jüngsten Entwicklungen verunsichern ihn aber ebenso, wie seinen frisch übernommenen Kollegen Moritz Krieger: "Man will seine Familie ernähren können, man will mit seiner Partnerin ein Haus kaufen, aber es ist jetzt riskant, einen Kredit aufzunehmen."

Sie alle sind der Ansicht, dass ihre Meinung bisher kaum gehört wurde. Um das zu ändern, haben am Montag (15.10.18) Tausende von ihnen Mahnwachen an mehreren Kraftwerken abgehalten, darunter auch an dem in Weisweiler.

Angst um Arbeitsplätze: RWE-Mitarbeiter blockieren Zufahrten

WDR 5 Morgenecho - Beiträge 16.10.2018 02:40 Min. WDR 5

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Angst vor Angriffen

Besonders schlimm ist für viele Angestellte auch, dass sie mittlerweile Angst haben zuzugeben, dass sie bei RWE arbeiten. Ein Ingenieur, der anonym bleiben möchte, weil er sich und seine Familie vor Angriffen schützen möchte, erzählt von Kollegen, die per Telefon und Email aufs Heftigste angegriffen worden seien. Bei mehreren Kollegen seien sogar am Auto auf dem Firmenparkplatz Radmuttern gelöst worden. Mit einem bitteren Ton fügt er hinzu: "Früher war man noch stolz, hier zu arbeiten."

"Die Energiewende braucht Zeit"

Für diese Entwicklung machen viele im Kraftwerk Weisweiler auch die Medien verantwortlich, denen sie eine einseitige Berichterstattung vorwerfen. Dass die Kraftwerke ihre Leistungen drosseln, wenn der Strombedarf sinkt, oder RWE wichtige Forschung zu sauberer Energie leiste, werde überhaupt nicht erwähnt.

Auch betonen die RWE-Mitarbeiter, dass sie nicht gegen den Ausstieg aus der Braunkohle seien, er brauche aber Zeit. Dietmar Krauthausen bringt es auf den Punkt: "Wenn man die Energiewende vernünftig durchzieht, können sich spätestens 2050 alle in die Augen sehen und sagen: Wir haben die Braunkohle sauber rausgefahren, neue Arbeitsplätze entwickelt und verantwortungsvoll etwas für die nächste Generation getan."

Stand: 16.10.2018, 11:31

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