RWE will Braunkohle-Förderung senken

Braunkohlebagger vor Hambacher Forst

RWE will Braunkohle-Förderung senken

Von Dominik Reinle und Christian Wolf

  • Rodungsstopp im Hambacher Forst hat Folgen
  • RWE senkt Kohleförderung im angrenzenden Tagebau
  • NRW-Koalition will über Zukunft der Braunkohle sprechen

Nach den Ereignissen rund um den Hambacher Forst kommt Bewegung in die Diskussion um die Zukunft der Braunkohle in NRW. Sowohl der Energiekonzern RWE als auch die Landesregierung deuten eine Kurskorrektur an.

Der Rest des Hambacher Forst im Vordergrund, im Hintergrund der Tagebau Garzweiler.

Der Hambacher Forst und dahinter der Tagebau

So will RWE nach dem gerichtlich verfügten Stopp der Rodung im Hambacher Forst die Kohleförderung im angrenzenden Tagebau drastisch reduzieren. Die Fördermengen müssten um bis zu 38 Prozent verringert werden, sagte ein Unternehmenssprecher am Dienstag (09.10.2018) dem WDR. Konkret gehe es um jährlich etwa 10 bis 15 Millionen Tonnen zwischen 2019 und 2021.

Die gedrosselte Kohleförderung hat auch Konsequenzen für die Stromerzeugung in den nahegelegenen Kraftwerken. RWE rechnet mit einem Minus von vorerst 9 bis 13 Terawattstunden in den Kraftwerken Neurath und Niederaußem.

Baggern bis kurz vor den Wald möglich

Durch den reduzierten Abbau geht RWE davon aus, in Hambach noch rund ein Jahr weiter Braunkohle fördern zu können. Die Abbruchkante des Tagebaus liegt derzeit noch einige Hundert Meter vom Waldrand entfernt. Ende 2019 könnten die Bagger dann zum Stillstand kommen. "Wie lange ein möglicher Stillstand überhaupt dauert, ist offen", sagte der RWE-Sprecher. "Das hängt auch davon ab, welche betrieblichen Anpassungen wir vornehmen können."

Keine komplette Stilllegung

Komplett stillgelegt werden soll der Tagebau nicht. Die Rodung im Hambacher Forst ist nur so lange untersagt, bis gerichtlich entschieden ist, ob der Wald Naturschutzgebiet sein müsste. RWE geht davon aus, dass diese Entscheidung bis Ende 2020 fällt.

CDU und FDP deuten Kurskorrektur an

Christof Rasche (SPD) und Bodo Löttgen (CDU)

Die Fraktionschefs von FDP und CDU, Christof Rasche und Bodo Löttgen

Derweil bewegt sich auch die schwarz-gelbe Koalition in Düsseldorf. "Die Landesregierung sollte sich auch mit der Frage einer neuen Leitentscheidung zur Braunkohle beschäftigen", sagte CDU-Fraktionschef Bodo Löttgen dem WDR. Zuvor müssten aber die Ergebnisse der bundesweiten Kohlekommission vorliegen.

FDP-Fraktionschef Christof Rasche äußerte sich ähnlich. Bislang hatte die Koalition solch einen Schritt immer abgelehnt und auf die Beschlüsse der rot-grünen Landesregierung verwiesen.

Mit einer Leitentscheidung macht die Politik die Vorgaben für Umfang und Dauer des Braunkohleabbaus. 2016 hatten SPD und Grüne erst eine neue Leitentscheidung verabschiedet. Sie sah eine Verkleinerung des Tagebaus Garzweiler II vor. Der Tagebau Hambach blieb davon unberührt.

Protest in Garzweiler nimmt zu

Die Anti-Braunkohle-Bewegung verstärkt nun auch ihren Kampf gegen den Tagebau Garzweiler II. Künftig gibt es nicht nur im Hambacher Forst, sondern ebenfalls im Raum Erkelenz organisierte Spaziergänge.

CDU-Fraktionschef Löttgen im Interview bei WDR 5

WDR 5 Westblick - Interview | 08.10.2018 | 08:40 Min.

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Stand: 09.10.2018, 15:18

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