Überweisungsformular auf die IBAN des Kunden und die BIC des Kreditinstituts aufgedruckt sind

Ukraine-Krieg: Ausschluss russischer Banken von Swift geplant

Stand: 26.02.2022, 23:56 Uhr

Mehrere russische Banken sollen wegen des Ukraine-Kriegs vom internationalen Bankensystem Swift ausgeschlossen werden. Darauf haben sich unter anderem EU und USA geeinigt. Doch was ist Swift eigentlich und was bringt ein Ausschluss?

Von Claudia Wiggenbröker und Frank Menke

Seit dem russischen Einmarsch in die Ukraine ist das Wort "Swift" in aller Munde. Ein Ausschluss Russlands aus dem internationalen Zahlsystem sei ein "scharfes Schwert“, so das geflügelte Wort. Die Bundesregierung hatte sich bislang dagegengestellt, es einzusetzen. Am späten Abend einigte sie sich aber doch mit der EU-Kommission, den USA und anderen Ländern darauf, zumindest einige große russische Banken von "Swift" auszuschließen. Laut Regierungssprecher Hebestreit soll so das globale Agieren der Banken massiv eingeschränkt werden.

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Weitere Sanktionen richten sich gegen die russische Zentralbank und einige wohlhabende Russen. Insgesamt soll es Putin so erschwert werden, den Krieg gegen die Ukraine zu finanzieren.

Weitere Hintergründe zu Swift hier im Überblick.

Was ist Swift überhaupt?

Über Swift werden keine Zahlungen abgewickelt. Es ist aber ein Kommunikationsnetzwerk, über das Informationen zu Geldtransfers sicher ausgetauscht werden. Genutzt wird es vorwiegend von Banken.

Die Finanzinstitute bekommen eine Swift-Adresse, die BIC, mit der sie über Landesgrenzen hinweg eindeutig identifizierbar sind. So wird unter anderem sichergestellt, dass Auslandsüberweisungen auf dem richtigen Konto eingehen.

Warum ist der Ausschluss vom Swift-System so ein "scharfes Schwert"?

Können Banken Swift nicht mehr nutzen, kann dies weitreichende Folgen für ihre Geschäfte haben. Denn es wird so wesentlich schwieriger, Geld über Ländergrenzen hinweg zu transferieren.

"Ohne Swift keine Zahlungen, ohne Zahlungen kein Handel." WDR-Wirtschaftsjournalist Ulrich Ueckerseifer

Das wiederum hat Auswirkungen auf Unternehmen: Einnahmen, die sie durch Exporte gemacht haben, können sie nicht zeitnah verbuchen. Waren, die sie im Ausland erwerben wollen, können sie nicht bezahlen.

Ohne Zahlungen gebe es auch keinen Handel, fasst WDR-Wirtschaftsjournalist Ulrich Ueckerseifer zusammen. "Deshalb ist Swift eine andere Liga als die Sanktionen, die wir sonst gesehen haben." Denn der Ausschluss richte sich nicht gegen einen Bank oder einen Oligarchen, sondern gegen Russland in der Breite.

"Ein Abkoppeln vom Swift-System würde Russland praktisch vollständig von weiten Teilen der Weltwirtschaft isolieren", sagt auch Stefan Kooth. Er ist Konjunkturchef des Instituts für Weltwirtschaft (IfW) in Kiel. "Das wäre wirtschaftlich das schärfste Schwert."

So sieht es auch Gabriel Felbermayr. Der Ausschluss von dem System wäre eine "sehr harte" Maßnahme. Zwar gäbe es Alternativen zu Swift, so der Direktor des Instituts für Wirtschaftsforschung in Österreich. "Sie sind aber ungetestet und risikoreich und nicht jeder hat sie."

Warum hatte die Bundesregierung gezögert, Russland komplett abzukoppeln?

In einem ARD-Brennpunkt hatte Außenministerin Annalena Baerbock im Vorfeld der Entscheidung noch zu bedenken gegeben, dass ein Ausschluss Russlands auch "massive Kollateralschäden" nach sich zöge. Energieimporte aus Russland seien dann nicht mehr zu finanzieren: "50 Prozent der Steinkohleimporte kommt aus Russland. Wenn wir diese Kohle nicht haben, werden die Kohlekraftwerke in Deutschland nicht weiterlaufern können." Zudem würde auch die russische Zivilgesellschaft und nicht nur Machthaber und Oligarchen getroffen.

Laut einer Analyse der Ludwig-Maximilians-Universität München dürften die Folgen der Sanktion für Russland aber wesentlich schwerer wiegen: "Russland ist einseitig von der EU als Zulieferer und als Abnehmer abhängig", heißt es darin. Seitens der EU würden fast ausschließlich Rohstoffe aus Russland importiert.

In Letzterem dürfte aber ein Punkt liegen: Die Europäer brauchen Wege, um weiter russische Gasimporte zu bezahlen, meint Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer.

Gerade Deutschland ist in Sachen Energie von Russland "hochgradig abhängig", sagt WDR-Wirtschaftsjournalist Ulrich Ueckerseifer. "Das ist die große Angst: Dass Russland als Gegenmaßnahme nicht mehr exportiert. Über die Hälfte des Gases und der Steinkohle und ein Drittel des Öls bezieht Deutschland aus Russland."

Bundesfinanzminister Christian Lindner (FDP) befürchtet, dass man "Russland dazu veranlasst, seine Gaslieferungen einzustellen, weil sie nicht mehr bezahlt werden können." Es müsse geklärt werden, welche Auswirkungen dies auf die Versorgung hätte, sagte er am Freitag zum Abschluss eines Treffens der EU-Wirtschafts- und Finanzminister in Paris.

Für Ökonom Michael Hüther dürfen auch die wirtschaftlichen Folgen, mit denen Europa zu rechnen hat, nicht der Punkt sein. "Die wirtschaftlichen Rückwirkungen von Sanktionen sind kein Argument in einem politischen Konflikt", meint der Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft in Köln. Die Politik müsse Vorrang haben.

Über dieses Thema berichteten wir am 27.02.2022 auch im WDR Fernsehen: WDR Aktuelle Stunde 18:45 Uhr.

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