Zentralrat der Juden fordert Absetzung von Ruhrtriennale-Chefin

Stefanie Carp, Intendantin der Ruhrtriennale 2018-2020

Zentralrat der Juden fordert Absetzung von Ruhrtriennale-Chefin

  • Zentralrat der Juden fordert Absetzung von Ruhrtriennale-Chefin
  • Ruhrtriennale-Intendantin wehrt sich gegen Vorwürfe
  • Veranstaltung wegen Corona abgesagt

Der Zentralrat der Juden in Deutschland hat die Absetzung der Indentantin der Ruhrtriennale, Stefanie Carp, gefordert. Der Präsident des Zentralrates, Josef Schuster, sagte am Samstag (25.04.2020) der Neuen Osnabrücker Zeitung: "Ich habe keinerlei Verständnis für die Einladung von Achille Mbembe als Eröffnungsreferent der Ruhrtriennale - auch wenn die Veranstaltung wegen Corona mittlerweile abgesagt ist."

Der Kameruner Historiker und Politikwissenschaftler Mbembe vertrete die Auffassung, Israel verhalte sich heute schlimmer als Südafrika zur Zeit der Apartheid, so Schuster weiter. Dies sei historisch falsch und nicht zu akzeptieren. Seine Schriften läsen sich so, als sei der Umgang der Israelis mit den Palästinensern schlimmer als der Holocaust, so Schuster. Er appellierte an die Verantwortlichen, Carp als Indentantin abzusetzen.

Neue Debatte um die Ruhrtriennale und den BDS

WDR 3 Resonanzen 15.04.2020 07:39 Min. Verfügbar bis 15.04.2021 WDR 3


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Stefanie Carp war bereits vor zwei Jahren in die Kritik geraten, als sie eine israelkritische Band zur Ruhrtriennale eingealden hatte. Auch der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung, Felix Klein, hatte die Einladung Mbembes mit Verweis auf eine Relativierung des Holocaust kritisiert. Der aus Kamerun stammende und in Südafrika lehrende Mbembe gilt als einer der bedeutendsten Denker Afrikas.

Mbembe selbst hatte am Dienstag (21.04.2020) auf die Kritik reagiert. Er empfinde es als unerträglich, dass er sich gegenüber solch "absurden Anschuldigungen" wie der Banalisierung des Holocaust rechtfertigen müsse, sagte er der Katholischen Nachrichtenagentur. Mbembe betonte: "Antisemitismus ist ein schreckliches Verbrechen."

Der Berliner Historiker Andreas Eckert stellte sich hinter seinen Kollegen aus Südafrika. Die Vorwürfe bezögen sich auf einige wenige Passagen in Mbembes umfassendem Werk. "Diese Passagen sind sehr kritisch etwa gegenüber Israels Siedlungspolitik, laden ohne Zweifel zur kritischen Auseinandersetzung und Gegenrede ein, rechtfertigen aber nicht die massiven Anschuldigen", sagte Eckert.

Stand: 25.04.2020, 10:54