Coronavirus: Essener Arzt in Sorge um seine Frau

Coronavirus: Essener Arzt in Sorge um seine Frau

  • Coronavirus breitet sich aus
  • Essener Virologe im Interview
  • Sorge um seine Ehefrau

Der Virologe Mengji Lu von der Uniklinik Essen verfolgt die Coronavirus-Epidemie in Wuhan nicht nur aus beruflichem Interesse. Er macht sich große Sorgen um seine Frau, berichtet er dem WDR am Donnerstag (23.01.2020).

WDR: Herr Lu, als Arzt beobachten sie die Entwicklung der Coronavirus-Epidemie in China. Aber Sie sind auch persönlich betroffen.

Mengji Lu: Ja, meine Frau ist vor eineinhalb Wochen nach Wuhan gereist, um dort das chinesische Neujahrsfest mit ihrer Familie zu feiern.

WDR: Die chinesischen Behörden haben die Stadt abgeriegelt, um eine Ausbreitung des Virus zu verhindern. Sitzt ihre Frau fest?

Lu: Glücklicherweise konnte sie Wuhan noch rechtzeitig verlassen, bevor die Quarantäne ausgerufen wurde. Sie ist jetzt etwa 200 Kilometer entfernt. Allerdings wurden zwei andere Städte in der Region nun auch abgeriegelt. Das Problem könnte sie also noch einholen.

WDR: Wie geht es Ihrer Frau?

Lu: Sie ist besorgt, wir sind beide besorgt. Dass sich die Infektion in diesem Ausmaß ausbreiten würde, damit haben wir nicht gerechnet. Meine Frau schützt sich aber mit Mundschutz und häufigem Händewaschen gegen eine Ansteckung. Und sie meidet große Menschenmengen.

WDR: Wie ist die Situation in Wuhan selbst?

Shaoping Fu

Shaoping Fu bei der Abreise nach China

Lu: Recht ruhig. Viele Menschen bleiben einfach zuhause. Wer doch vor die Tür muss, sollte einen Mundschutz dabei haben. In öffentlichen Gebäuden sind diese jetzt vorgeschrieben.

WDR: Als Virologe: Wie gefährlich schätzen Sie die Epidemie ein?

Lu: Die Kollegen vor Ort schätzen das neue Virus bisher als nicht so gefährlich ein wie bei der großen SARS-Epidemie 2002. Aber je weiter es sich ausbreitet, steigt auch das Risiko von Mutationen. Und diese neuen Varianten können viel aggressiver sein als der aktuelle Erreger.

WDR: Wenn Ihre Frau nächste Woche hoffentlich wieder gut in Deutschland angekommen ist: Was muss sie beachten?

Lu: Für eine gewisse Zeit wird sie sich zuhause selbst freiwillig unter Quarantäne stellen. Zur Arbeit geht sie erst dann wieder, wenn wir eine Infektion sicher ausgeschlossen haben.

Das Interview führte Andreas Poulakos.

Stand: 23.01.2020, 17:29