Darum klagt dieser Wirt aus Bochum gegen die Sperrstunde

Weiher Stube in Bochum-Ehrenfeld

Darum klagt dieser Wirt aus Bochum gegen die Sperrstunde

Ein Wirt aus Bochum will die Sperrstunde kippen. Seit wenigen Tagen muss seine Kneipe im Stadtteil Ehrenfeld um 23 Uhr schließen. Im Interview erklärt Martin Dombrowski die Gründe für seine Klage.

Martin Dombrowski betreibt in Bochum-Ehrenfeld die "Weiher-Stube". Eine Szene-Kneipe für Jung und Alt, wie es auf der Homepage heißt. Das erste Wochenende mit Sperrstunde liegt hinter dem Gastronom, jetzt hat sich der 49-Jährige entschieden, gegen die NRW-weite Sperrstunde für Restaurants und Kneipen in Risikogebieten zu klagen. Wir haben mit ihm darüber gesprochen.

WDR: Herr Dombrowski, wogegen haben Sie genau Klage eingereicht?

Martin Dombrowski: Es ist ein Eilantrag zum einen gegen die Sperrstunde für Restaurants und Kneipen in Risikogebieten, die ja schon um 23 Uhr greift. Zum anderen gegen ein Ausschankverbot von Alkohol ab 23 Uhr. (Anmerkung der Redaktion: in Berlin haben mehrere Gastronomen die Sperrstunde per Klage gekippt, ab 23 Uhr gilt aber ein Ausschankverbot für Alkohol).

WDR: Warum klagen Sie?

Martin Dombrowski: Eine Sperrstunde ist der falsche Ansatz und bringt keinen Effekt. Die meisten Gäste ziehen sich dann um 23 Uhr in private Gefilde zurück. Außerdem bestätigt auch das Robert-Koch-Institut, dass sich die Menschen nicht in der Gastronomie mit dem Corona-Virus anstecken. Ich fühle mich langsam genug malträtiert.

WDR: Sie haben ja bereits am vergangenen Wochenende erste Erfahrungen mit der Sperrstunde gesammelt. Wie war das für Sie?

Martin Dombrowski: Wir haben ein Gaststättenkonzept, das voll und ganz auf den Winter ausgelegt ist. Wir haben draußen keine Plätze. Normalerweise bleiben die Gäste bis weit nach 1 Uhr, teils bis spät in die Nacht. Das fällt jetzt weg. Der ein oder andere kommt dann erst gar nicht. Wegen der Corona-Maßnahmen kann ich schon keine Stehplätze mehr anbieten, jetzt reicht es langsam.

WDR: Was befürchten Sie, wenn die Sperrstunde nicht gekippt wird?

Martin Dombrowski: Dann werde ich wohl Insolvenz anmelden müssen. Die Sperrstunde ab 23 Uhr ist tödlich für unseren Betrieb.

Das Interview führte WDR-Reporter Olaf Biernat.

Stand: 20.10.2020, 15:37

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