Loveparade: Prozess-Aus gegen Geldauflage?

Loveparade: Prozess-Aus gegen Geldauflage?

Von Dominik Peters

  • Rechtsgespräch im Prozess zur Loveparade-Katastrophe
  • Beteiligte Juristen beraten sich seit Mittwoch (16.01.2019)
  • Diskussion: Einstellung mit oder ohne Geldauflage?

Beim Loveparade-Prozess zeichnet sich eine Einstellung des Verfahrens ab. Das Duisburger Landgericht halte das für denkbar. Dahingehend äußerten sich am Mittwoch (16.01.2019) sowohl die Verteidiger der zehn Angeklagten, als auch die Nebenklägeranwälte. Alle Beteiligten scheinen einig darüber, dass die Hürden für ein Urteil vor Ablauf der Verjährungsfrist (im Juli 2020) zu hoch sind.

Mögliche Einstellung unter Geldauflagen

In dem nicht öffentlichen Rechtsgespräch der Verfahrensbeteiligten ging es demnach primär um die Fragen, ob und für wen die Einstellung des Verfahrens gegen Geldauflage erfolgen könnte. Das Gericht will sich erst am Donnerstag (17.01.2019) äußern.

Nach Informationen der Anwälte ist offenbar bei drei angeklagten Mitarbeitern der Veranstalterfirma eine Auflage im Gespräch, weil sie am Unglückstag noch hätten eingreifen können. Gegen einen weiteren Lopavent-Mitarbeiter sowie gegen die sechs Angeklagten der Stadt könnte das Verfahren ohne Auflagen eingestellt werden.

Verteidiger wollen keine Auflagen

Nebenklägeranwalt Julius Reiter könnte mit einer Einstellung unter bestimmten Auflagen leben, "wenn der Einstellungsbeschluss dahingehend wäre, dass man Verantwortlichkeiten feststellt, auf deren Grundlage die Hinterbliebenen und Verletzten gegen Institutionen vorgehen können". Sein Ziel: Stadt und Polizei müssten bei späteren Schadensersatzklagen haftbar gemacht werden können. Die Angeklagten würden eine Einstellung akzeptieren, lehnen Auflagen aber ab, so ein Verteidiger.

Nebenklägeranwalt: "Aufklärungsgewinn sehr groß"

Die Zeugenbefragungen waren teils geprägt von Erinnerungslücken und Widersprüchen. Das Unglück liegt inzwischen acht Jahre zurück. Nebenklägeranwalt Reiter resümiert dennoch "dass der Aufklärungsgewinn sehr groß ist. Also wer sagt, der Prozess hätte nichts gebracht, liegt falsch."

Rund 100 Verhandlungstage seit Dezember 2017

Seit Dezember 2017 hat das Duisburger Landgericht an 96 Tagen rund 60 Zeugen vernommen. Darunter sind viele Polizisten und auch prominente Figuren wie Duisburgs Ex-Oberbürgermeister Adolf Sauerland und der Chef der Veranstalterfirma Lopavent, Rainer Schaller. Angeklagt sind zehn Personen – vier Mitarbeiter der Veranstalterfirma Lopavent und sechs Mitarbeiter der Stadt Duisburg. Bis zu einem möglichen Ende des Prozesses stehen noch mehrere Verhandlungstage an, so Gerichtssprecher Matthias Breidenstein.

Stand: 16.01.2019, 16:54