Ein Schild der St. Elisabeth Gruppe steht vor dem Anna Hospital in Herne

Studierende kritisieren Kopftuchverbot an Herner Klinik

Stand: 18.03.2022, 10:49 Uhr

Im Streit um ein Kopftuchverbot hat die St. Elisabeth Klinik Gruppe in Herne nun einen Kompromissvorschlag gemacht. Sie war von Studierenden scharf kritisiert worden.

Die Klinik-Gruppe hatte muslimischen Mitarbeiterinnen bislang verboten, ein Kopftuch zu tragen. Nachdem dann auch eine Auszubildende deswegen im Januar gekündigt wurde, haben Studierende der Ruhr-Universität Bochum Vorwürfe gegen die Kliniken erhoben. Durch das Kopftuchverbot würden Studentinnen, Praktikantinnen und Ärztinnen diskriminiert.

Die Studierendenvertretung hatte sich in einem Brief an die Chefärzte und Chefärztinnen gewandt. Darin heißt es unter anderem, die Kliniken würden "das weltanschauliche Neutralitätsgebot" ignorieren. Die katholische St. Elisabeth Gruppe hat nun reagiert und am Donnerstag (17.03.2022) einen Kompromissvorschlag vorgelegt.

Kompromiss: Haube statt Kopftuch

Die Kliniken schlagen eine "besondere Kopfbedeckung" vor, die "Teil der Dienstkleidung" werden soll, erklärte Klinik-Geschäftsführer Theo Freitag. Damit solle "die gebotene religiöse Neutralität der Mitarbeiter gegenüber den Patienten und die privaten religiösen Interessen muslimischer Frauen respektiert werden".

Die Kopfbedeckung für muslimische Frauen

Die weiße Kopfbedeckung für muslimische Frauen in den Kliniken der St. Elisabeth Gruppe

Es handelt sich bei der Kopfbedeckung um eine weiße Haube, die Haare und Ohren verdeckt. Dafür hatte die Klinik-Gruppe Professor Mouhanad Khorchide zu Rate gezogen. Nach eigenen Angaben ist er ein "deutschlandweit anerkannter Islamwissenschaftler". Das Fazit: Der Entwurf könne aus islamisch-theologischer Sicht als Kopftuch gelten.

"Soll das ein Witz sein?"

Der medizinische Fachschaftsrat der RUB sieht das anders. Emre Yavuz, einer der Sprecher, findet den Vorschlag "nicht akzeptabel". Eine "Haar- und Ohrenbedeckung" habe "wenig damit zu tun, was sich die Studierenden unter einem Kopftuch vorstellen". Außerdem sei es irritierend, dass der Entwurf weder mit Betroffenen noch mit der Fachschaft ausgearbeitet wurde.

Auch eine muslimische Studentin der Ruhr-Uni fragt nach der Bekanntgabe sarkastisch: "Soll das ein Witz sein?" In der Vergangenheit war die Klinik-Gruppe bereits häufiger negativ wegen ihrer Unternehmenspolitik aufgefallen. Laut der Medizin-Fachschaft der Ruhr-Uni Bochum sei das Marien-Hospital die einzige Uniklinik, die kein Kopftuch dulde.

Zu der Klinik-Gruppe gehören neben fünf Krankenhäusern mehrere Einrichtungen in Witten und Herne. Darunter auch ein Reha-Zentrum, Hospize, Seniorenzentren sowie eine Pflege- und eine Hebammenschule.

Über dieses Thema berichten wir am 18.03.2022 um 19:30 Uhr im WDR Fernsehen / Lokalzeit Ruhr.