Radfahren boomt – aber wo bleibt das Netz?

RS1 im Ruhrgebiet

Radfahren boomt – aber wo bleibt das Netz?

Von Olaf Biernat

Corona hat die Menschen noch stärker zum Radfahren gebracht. Aber einmal auf dem Rad stellen wir fest: Es fehlt an Radwegen. Wie bekommen wir das hin mit dem Ausbau? Darüber haben Verantwortliche und Experten mit WDR5-Hörern diskutiert.

NRW hat das Fahrrad entdeckt, so scheint es zumindest. Jede vierte Fahrt soll künftig mit dem Fahrrad erledigt werden. So steht es im Fahrrad- und Nahmobilitätsgesetz, das im Juni in den Landtag eingebracht werden soll. "Das ist nur die halbe Wahrheit", sagt Axel Fell, Vize-Chef des größten Fahrradverbandes ADFC. "Denn das Land hätte niemals das Gesetz gemacht, wenn es nicht von der erfolgreichen Volksinitiative Aufbruch Fahrrad NRW dazu verdonnert worden wäre".

ADFC: Das neue Gesetz kann nichts bewirken

Der ADFC sagt, dass das Gesetz alleine Menschen nicht dazu bewegen könne, auf das Fahrrad umzusteigen. Es fehle an konkreten Inhalten und auch das Ziel, wann die Rahmenbedingungen soweit sind, dass 25 Prozent der Menschen hier auf das Rad umsteigen, fehlt. Der verkehrspolitische Sprecher der FDP, Ulrich Reuter, meint: "Das Gesetz kann nur einen Rahmen für Kommunen bilden, zügiger Radrouten zu bauen."

Verteilungskampf auf der Straße

WDR5 Stadtgespräch Fahrradland NRW

Die Teilnehmer des WDR5-Stadtgespräches zum Thema Fahrradland NRW

Gleich mehrere WDR5-Hörer wie Gudrun Jansen aus Essen oder Thomas Bietz aus Köln beklagen zunehmend Spannungen zwischen Radfahrern und Autofahrern. So würden Radwege dauernd zugeparkt. Und auf Fahrradstraßen würden Autofahrer sich lautstark Gefechte mit Radfahrern liefern. Rudolf Juchelka, Verkehrsgeograph von der Uni Duisburg-Essen glaubt, dass sich in den Köpfen etwas ändern muss. "Wir haben eine Neuverteilung des städtischen Raumes vor uns." Gerade die Politik in den Kommunen müsse mehr Bürgerbeteiligung zulassen.

Politik hat zu lange auf Autos gesetzt

Ein Ergebnis der Diskussion: Nordrhein-Westfalen könne viel von Vorzeige-Regionen wie Utrecht in den Niederlanden oder Kopenhagen in Dänemark lernen. Ulrich Reuter von der FDP gab zu, dass die Politik zu lange eine Autovorrangpolitik betrieben habe. Eine Umstellung ginge nicht von heute auf morgen. Und Axel Fell vom ADFC sieht durchaus gute Ansätze, dass ein Verkehrsumschwung gelingen kann. Ein Beispiel seien etwa Fahrspuren wie in Köln, die dem Autoverkehr genommen und dem Radfahrer gegeben würden.

Am Ende waren sich alle Seiten einig, dass in den Köpfen aller Verkehrsteilnehmer und Bürger ein Umdenken passieren müsse. Nur so könne die Verkehrswende gelingen.

Stadtgespräch aus Essen: Neue Radwege - wo bleibt das Netz?

WDR 5 Stadtgespräch 27.05.2021 55:41 Min. Verfügbar bis 27.05.2022 WDR 5


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Stand: 28.05.2021, 08:27

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