Duisburg: Der Weg zum klimaneutralen Wasserstoff

Tankdeckel für H2-Gas

Duisburg: Der Weg zum klimaneutralen Wasserstoff

Von Marvin Hoffmann

In Wasserstoff wird enormes Potential zur CO2-Einsparung gesehen. Es fehlt allerdings an der nötigen Infrastruktur. Dazu wird an der Uni Duisburg/Essen geforscht.

Das Interesse rund um das Thema Wasserstoff – es ist in den letzten Jahren deutlich angestiegen. CO2 einsparen ist ein erklärtes Ziel der Politik: Im Wasserstoff wird ein enormes Potential gesehen, um bis 2050 treibhausgasfrei zu werden.

Bisher sind Wasserstoff-Fahrzeuge auf dem Land, auf der Schiene und auf dem Wasser eher die Ausnahme. Und doch werden immer wieder Neuheiten präsentiert: Erst im Dezember 2020 stellte die Stadt Duisburg den ersten Wasserstoff-Müllwagen vor, der seit Januar nun im Regelbetrieb unterwegs ist.

In Niedersachen fährt seit 2018 der erste Wasserstoff-Zug im Regionalverkehr auf rund 120 km. Und nicht zuletzt hat auch der Kreis Düren erst Mitte Februar verkündet, dass in etwa zwei Jahren im Gewerbegebiet „Brainergy-Park“ Wasserstoff produziert werden soll. Komplett aus regenerativen Energiequellen. Damit können dann Busse und Bahnen betrieben werden, die klimaneutral unterwegs sind.

Und doch scheinen diese Projekte aktuell eher Einzelfälle zu sein. Damit das aber nicht so bleibt, wird sehr intensiv rund um das Thema Wasserstoff geforscht. Nicht nur, weil die Politik derzeit großes Interesse daran hat: 

Forschung zu Infrastruktur und Brennstoffzellen

In Duisburg forschen Wissenschaftler am Zentrum für Brennstoffzellentechnik, angesiedelt an der Uni Duisburg/Essen schon seit über 20 Jahren zum Thema Wasserstoff. Besonders wird hier derzeit der Fokus auf das Thema Infrastruktur gelegt. Denn bisher ist diese fast nicht vorhanden, aber nötig, damit man später einmal flächendeckend Wasserstoff tanken kann.

Testfeld am Zentrum für Brennstoffzellentechnik

Testfeld am Zentrum für Brennstoffzellentechnik

Ziel der Wissenschaftler ist es, hier möglichst effektive Lösungen zu finden. Außerdem schauen sich die Forscher die Brennstoffzellen genau an. Diese sind in der Mobilität das Herzstück: Der Wasserstoff reagiert hier mit Sauerstoff, wodurch elektrische Energie freigesetzt wird. Diese kann dann für den Antrieb genutzt werden. Die Mitarbeitenden am Zentrum für Brennstoffzellentechnik suchen nach idealen Möglichkeiten, die Brennstoffzelle zu betreiben, damit sie dann möglichst robust und langlebig ist.

Bis jetzt rund 100 Wasserstoff-Tankstellen

Bislang gibt es in ganz Deutschland nur rund 100 Wasserstofftankstellen. Eine zu kleine Infrastruktur, wenn auf Dauer viel mehr Fahrzeuge mit Wasserstoff-Antrieb genutzt werden sollen, da sind sich Experten sicher. Außerdem fehlen die Autos: Bisher gibt es nur wenige Hersteller, die Fahrzeuge mit Brennstoffzellen auf den Markt gebracht haben.

Zudem wird Wasserstoff derzeit meist noch nicht klimaneutral hergestellt. So wird besonders im industriellen Bereich Erdgas für die Produktion genutzt. Hierbei entsteht eine chemische Reaktion bei Zugabe von Wasserdampf, durch die Wasserstoff und CO2 entsteht. In Zukunft soll vermehrt auf Biomasse oder auf regenerative elektrische Energie gesetzt werden, damit Wasserstoff CO2-neutral hergestellt werden kann. Laut ZBT in Duisburg muss man deswegen aber nicht mit einem flächendeckenden Aufbau der Wasserstoff Mobilität warten:Er kann schon jetzt schrittweise starten. Und wenn Wasserstoff dann auch vermehrt aus regenerativen Energien hergestellt wird, dann würde auch die Mobilität immer klimafreundlicher.

Duisburg als Zentrum für Wasserstoff in NRW?

Als „Modellregion Wasserstoffmobilität NRW“ sind die Städte Duisburg, Düsseldorf, der Rhein-Kreis Neuss und Wuppertal bereits vom NRW-Wirtschaftsministerium ausgezeichnet worden. Die Städte wollen in den kommenden zehn Jahren grünen Wasserstoff in der Region selbst herstellen und 140 Busse und 200 LKW mit Brennstoffzellen auf die Straßen bringen. Außerdem soll eine Blaupause erstellt werden, mit der auch andere Regionen zukünftig einen Wechsel hin zu einer Mobilität mit Wasserstoff vollziehen können.

Duisburg ist außerdem in der engeren Auswahl für ein Technologie- und Innovationszentrum für Wasserstofftechnologie im Stadtteil Hüttenheim. Unterstützung für das Projekt gibt es von NRW-Ministerpräsident Armin Laschet. Laut Verkehrsminister Scheuer sind drei Projekte in der engeren Auswahl für das Zentrum. Zu allen solle in den nächsten Monaten eine Machbarkeitsstudie erstellt werden. Dem Standort des neuen Zentrums winkt laut Scheuer eine Förderung im dreistelligen Millionenbereich.

Stand: 28.04.2021, 17:06