Selbst Naturschützer befürworten Jagd auf Waschbären

Waschbär

Selbst Naturschützer befürworten Jagd auf Waschbären

  • Naturschützer im Kreis Wesel fordern Jagd auf Waschbären
  • Allesfresser sollen Gefahr für andere Tierarten sein
  • Diskussion über Nutzen der Jagd

Waschbären: niedlich anzusehen, aber für die Natur eine wahre Plage. Denn sie sind Allesfresser und machen sich über seltene Kröten genau so her wie über Eier von Feldlerchen, Kiebitzen oder Rebhühnern. Deswegen sprechen sich jetzt sogar Nabu-Mitglieder dafür aus, sie zu jagen und so ihre Zahl einzudämmen.

In Voerde und Dinslaken ist die Situation besonders dramatisch, sagt Peter Malzbender, Vorsitzender der Kreisgruppe Wesel des Nabu. Es falle ihm nicht leicht, sagt er am Mittwoch (17.07.2019) dem WDR, "aber wir kommen an einer Jagd nicht vorbei, wenn wir die Population im Zaum halten wollen".

Ostwestfalen-Lippe als Waschbären-Hotspot

Wie viele Waschbären in NRW leben, ist unklar. Fest steht aber, dass sie sich in den letzten Jahren rasant vermehrt haben - inzwischen wurden sie in fast der Hälfte aller deutschen Jagdreviere gesichtet. In NRW sind Ostwestfalen-Lippe und das Süderbergland die Waschbären-Hotspots, sie sind inzwischen aber im ganzen Land heimisch.

Jo Hiller bei der Fütterung und Kotprobe im Waschbärgehege der Zoom Erlebniswelt Gelsenkirchen.

Waschbären haben kaum Feinde

Eigentlich sind die Waschbären "Neubürger". Vor gut hundert Jahren wurden sie als Pelztiere vom amerikanischen Kontinent eingeführt, zwei Paare wurden Anfang der Dreißiger für die Jagd ausgesetzt und sorgten für zahlreiche Nachkommen, die kaum natürliche Feinde haben.

Der Schaden, den sie anrichten, sei "massiv", so Andreas Schneider vom Landesjagdverband. "Wir wollen sie nicht ausrotten, aber es geht auch um die Bewahrung der Artenvielfalt."

Zahl der erlegten Tiere steigt

Deswegen werden sie seit Jahren und mit Billigung der EU, die sie als "nicht gewünschte invasive Art" einstuft, bejagt. Allein in der Saison 2017/2018 wurden in NRW fast 16.000 Waschbären getötet - ein neuer Rekord.

Dabei werden auch Lebendfallen eingesetzt, in denen die Tiere erst gefangen und dann getötet werden. "Der Tierschutz spielt eine große Rolle", betont Schneider.

Nabu zweifelt am Sinn der Jagd

Der Nabu-Landesverband dagegen lehnt jede Art von Fallen ab. Der Verband hat noch mehr Bedenken: Die von den Jagdverbänden behaupteten "Schäden" seien nicht schlüssig nachgewiesen, heißt es. Die Jagd ergebe auch wenig Sinn. Sprecherin Birgit Königs: "Die Bejagung verstärkt eher noch die Reproduktion." Damit ist der Verband anderer Meinung als die Kreisgruppe Wesel.

Waschbären – Abschuss für den Artenschutz?

WDR 4 Einfach tierisch 31.05.2019 02:47 Min. Verfügbar bis 30.05.2020 WDR 4

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Stand: 17.07.2019, 20:28