IG Metall: Warnstreiks zwischen Jobsicherung und Lohntüte

Vor dem Signal Iduna Park in Dortmund haben sich Autos für die Autokinodemo der IG Metall versammelt

IG Metall: Warnstreiks zwischen Jobsicherung und Lohntüte

Von Kay Bandermann

Mit dem Ende der Friedenspflicht am 1. März nimmt der Druck im Tarifstreit der NRW-Metall- und Elektroindustrie zu. Für Dienstag (2. März) hatte die Gewerkschaft IG Metall landesweit Warnstreiks aufgerufen.


Bei morgendlicher Kühle saßen rund 200 Metaller in ihren Autos. Knut Giesler, Bezirksleiter der IG Metall in NRW und deren Verhandlungsführer, warf den Arbeitgebern Blockadehaltung vor. „Zu wenig und zu unkonkret“ sei das, was in vier Gesprächsrunden auf den Tisch gelegt worden sei. „Nicht mal eine konkrete Zahl haben sie uns genannt“, rief Giesler den Protestierenden in ihren Autos zu, was diese mit einem Hupkonzert quittierten.

Allein im östlichen Ruhrgebiet wurden 2.200 Beschäftigte in 14 Betrieben aufgerufen. Es geht um mehr Geld und sichere Jobs nach der Corona-Pandemie.

Knut Giesler, Bezirksleiter der IG Metall NRW, hält bei der Autokinodemo in Dortmund eine Rede.

IGM-NRW-Chef Giesler in Dortmund

Die Autokino-Veranstaltung wurde per Livestream in die Wohnungen der übrigen rund 2.000 Teilnehmer des Warnstreiks übertragen. Auch im Homeoffice könne man streiken, betont die IG Metall. Sie hatten den Beschäftigten geraten, eingehende Emails mit dem Hinweis zu versehen, dass man vorübergehend im Ausstand sei. Der Warnstreik endete offiziell um 10.00 Uhr.

Balanceakt der Gewerkschaften

Im ersten Corona-Tarifstreit muss die Gewerkschaft einen Balanceakt vollziehen. Sie fordert Einkommensverbesserungen in einem Volumen von vier Prozent. „Wir sind aber flexibel und bereit, auf einen  Teil davon für Beschäftigungssicherungsmodelle zu verzichten“, formuliert Ulrike Hölter, IGM-Chefin im Bezirk Ruhrgebiet-Mitte und Mitglied in der Verhandlungskommission.

Nach vier Tarifgesprächen treten die Verhandlungen auf der Stelle. Hölter weiß: „Die wirtschaftliche Situation ist in den Betrieben aufgrund von Pandemie und Lockdown höchst unterschiedlich – einige machen Überstunden, andere fahren Kurzarbeit.“

Mindestziel: Inflationsausgleich

Beispiel Anlagenbau: Trotz Corona hat der Dortmunder Getränkemaschinenhersteller KHS (1.250 Mitarbeiter) Gewinne gemacht. Deshalb wollen die Beschäftigten nicht leer ausgehen, sagt Betriebsratschef Konrad Ackermann. Wenigstens ein Inflationsausgleich müsse drin sein, damit die Familien mit Konsum die Wirtschaft ankurbeln.  

Zwei rot-weiße Banner auf Asphalt mit Aufschrift Beschäftigung halten Arbeit verteilen und Anker

Anders beim Herner Betonpumpenherstellers Schwing. Dort wird seit April kurz gearbeitet. Corona brachte deutliche Einbrüche im Exportgeschäft. Deshalb ist den 650 Beschäftigen in diesem Tarifstreit die Sicherung ihrer Jobs wichtiger als eine Gehaltserhöhung, sagt Betriebsratschef Peter Brauer.
Ähnlich ist die Stimmung vor dem Streik im Opel Ersatzteil-Zentrum in Bochum. Die 700 Mitarbeiter möchten ihre laufende Vereinbarung zur Beschäftigungssicherung frühzeitig verlängern.

Ausbildung nicht verhandelbar

Nur eines sei nicht verhandelbar: es müsse weiter ausgebildet werden, weil der Fachkräftemangel auch nach Corona bleibe.

Der Verband der Metallunternehmen reagierte enttäuscht. Jetzt sei “keine Zeit für Rituale”. Ein Verbandssprecher forderte „eine maßvolle Tarifrunde, die die wirtschaftlichen Auswirkungen der Pandemie berücksichtigt”.

Die Tarifgespräche werden am 15. März fortgesetzt.

Kurz vor Streik - Der Metalltarifkonflikt 27.02.2021

WDR 5 Profit 27.02.2021 24:46 Min. Verfügbar bis 27.02.2022 WDR 5


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Stand: 02.03.2021, 10:06