Waffenverbote an drei Bahnhöfen - sogar für Scheren

Ein Bundespolizist hängt ein Plakat auf, welches auf das Waffenverbot hinweist.

Waffenverbote an drei Bahnhöfen - sogar für Scheren

Von Christian Richter und Jörn Seidel

Die Hauptbahnhöfe Duisburg, Düsseldorf und Oberhausen sind an diesem Wochenende Waffenverbotszonen. Grund: Trotz Corona ging die Zahl der Gewalttaten nicht zurück.

Täglich ziehen tausende Menschen durch die Hauptbahnhöfe von Duisburg, Düsseldorf und Oberhausen. Geschützte, weitgehend ungefährliche Orte, sollte man meinen. Die Bundespolizei dürfte das anders sehen. Sie hat die drei Bahnhöfe für dieses Wochenende zu Waffenverbotszonen erklärt.

Waffenverbot: Auch Küchenmesser und Scheren verboten

Das Waffenverbot gilt an den drei Hauptbahnhöfen seit Freitag 14 Uhr und noch bis Sonntag 6 Uhr. Messer, Pistolen und Schlagstöcke sind dann ebenso verboten wie Alltagsgegenstände, mit denen man Menschen verletzen könnte. "Das kann das Küchenmesser, der Korkenzieher oder die Schere sein", so die Bundespolizei.

Zahl der Gewalttaten während Corona nicht gesunken

Waffenverbot Hauptbahnhof

In rund 100 Fällen wurden Waffen oder gefährliche Gegenstände mitgeführt oder eingesetzt.

Der Grund: "Während der Pandemie ist die Anzahl der Gewaltdelikte trotz Ausbleibens des Disko- und Partyverkehrs sowie Anreisen zu Veranstaltungen, nicht signifikant gesunken."

Allein im ersten Halbjahr 2021 verzeichnete die Bundespolizeiinspektion Düsseldorf an den drei Bahnhöfen rund 100 Fälle, bei denen Waffen oder andere gefährliche Gegenstände mitgeführt oder eingesetzt wurden.

Die Einhaltung des Waffenverbots will die Bundespolizei kontrollieren und damit "vorbeugen, schützen und sensibilisieren". Bei Zuwiderhandlungen gegen die Allgemeinverfügung muss man mit einem Platzverweis und einem Zwangsgeld in Höhe von 200 Euro rechnen.

Fahrgastverband Pro Bahn zeigt für Aktion Verständnis

Andreas Schröder vom Fahrgastverband Pro Bahn NRW zeigt Verständnis für solche "symbolischen Aktionen". Sie könnten dazu beitragen, das subjektive Sicherheitsgefühl zu stärken, sagte er dem WDR.

Ein besonderes Sicherheitsproblem an Bahnhöfen kann er jedoch nicht erkennen, sagte Schröder. Das gebe es auch an anderen Orten wie etwa in der Düsseldorfer Altstadt, wo ebenfalls viele Menschen zusammenkommen.

Wie aus einer Antwort der Bundesregierung vom vergangenen Jahr auf eine FDP-Anfrage hervorgeht, hat es zwischen 2012 und 2019 auf deutschen Bahnhöfen keinen bemerkenswerten Anstieg an Gewaltdelikt-Verdachtsfällen gegeben.

Zu Waffendelikten an Bahnhöfen gab die Bundesregierung im Januar auf eine AfD-Anfrage Auskunft. Demnach wurden zwischen Juli und November 2020 insgesamt 313 Fälle auf deutschen Bahnhöfen registriert. Platz eins nahm Köln mit 14 ein, gefolgt von Essen mit 12.

Stand: 26.06.2021, 09:07