VRR plant Trennung von Abellio

VRR plant Trennung von Abellio

Ab Februar 2022 werden wohl keine Bahnen der Abellio mehr durch das Ruhrgebiet fahren - darunter der Rhein-Ruhr-Express. Die Strecken sollen aber übernommen werden.

Der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr plant, sich von dem wirtschaftlich angeschlagenen Unternehmen Abellio zu trennen. Das hat der WDR aus internen Kreisen erfahren. Zuvor hatte es noch Verhandlungen zwischen den beiden gegeben - die sind gescheitert. Die endgültige Entscheidung wird am Montag fallen.

Was bedeutet das für die Fahrgäste?

Abellio betreibt unter anderem den in NRW viel genutzten Rhein-Ruhr Express und S-Bahnen. Andere Unternehmen sollen den Betrieb dieser Bahnen übernehmen - dazu soll es eine Ausschreibung über die Neuvergabe der Verträge geben.

Einschränkungen für die Fahrgäste soll dieser Übergang nach Möglichkeit nicht haben. Schlimmstenfalls gibt es während der Umstellung kurzzeitige Auswirkungen, heißt es aus Kreisen des Verwaltungsrates. Man wolle versuchen, den Wechsel so angenehm wie möglich zu machen. Für alle Linien gebe es Angebote.

Einige Fahrgäste sind enttäuscht vom drohenden Aus der Abellio-Bahnen. Sie galten bei ihnen als pünktlich, zuverlässig und waren damit auch beliebt. "Die Züge waren immer sauber und die Fahrten angenehm. Ich habe keine Lust mehr auf die alten, roten, doppelstöckigen Bahnen", so ein Pendler. Viele befürchten Chaos während des Wechsels auf der Strecke zwischen Hamm und Aachen.

Mitarbeiter bitten um Hilfe

Was mit den über 1.000 Mitarbeitern passiert, ist bisher unklar. Da es auch in anderen Betrieben einen Lokführermangel gibt, könnte es sein, dass sie woanders unterkommen können. Der Betriebsrat hat jetzt einen Brief an die Landesregierung geschrieben und um eine Perspektive gebeten. Die Beschäftigten seien mittlerweile am Ende ihrer Kräfte, weil sie seit Monaten in der Luft hängen. Vom VRR kommt diesbezüglich ein positives Signal: Man wolle den Mitarbeitern auch weiterhin eine Perspektive bieten.

Das gab es noch nie

Abellio macht etwa ein Sechstel aller Verbindungen in NRW aus und ist damit das zweitgrößte Nahverkehrsanbieter. Sollte der Verwaltungsrat am Montag das Aus beschließen, wäre es das erste Mal seit zwei Jahrzehnten, dass ein Zugunternehmen in NRW den Markt verlassen muss.

Die SPD sieht darin einen drohenden "Super-GAU" und geht von Ausfällen und Problemen aus. Sie fordert von der Landesregierung, den Übergang in den kommenden Wochen zu koordinieren.

Abellio hatte bis zuletzt gehofft

Bis zuletzt hatte das niederländische Unternehmen mit den Nahverkehrsverbünden unter anderem über Finanzspritzen und bessere Konditionen verhandelt. Am vergangenen Freitag hatte die Firma ein allerletztes Angebot gemacht - das wurde aber ausgeschlagen.

Laut VRR-Vorstandssprecher Lünser weiche "das Angebot so evident von unseren Prämissen ab", dass es nicht akzeptiert werden könne. "Mit einer solchen Verweigerungshaltung schadet sich das Unternehmen selbst und geht zudem fahrlässig und verantwortungslos mit der Zukunft seiner Belegschaft um", sagt Lünser. Abellio habe zudem in laufenden Verhandlungen Einzelheiten erst an die Presse weitergegeben und dann die Vertragspartner informiert. Der VRR nennt dieses Vorgehen beispiellos und wirft Abellio vor, dabei auch noch falsche Angaben gemacht zu haben.

Abellio-Rückzug: Was passiert mit Bahnlinien?

WDR 5 Westblick - aktuell 05.11.2021 05:52 Min. Verfügbar bis 05.11.2022 WDR 5


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Stand: 18.11.2021, 14:13