Vorbestrafter Rechtsextremist im Stadion auf Schalke

Die Veltins-Arena von außen

Vorbestrafter Rechtsextremist im Stadion auf Schalke

Von Christof Voigt

Die Gewerkschaft der Polizei fordert eine Verschärfung der Sicherheitsstandards bei Bundesligaspielen.

Was macht ein gefährlicher Rechtsextremist im Innenbereich des Schalker Stadions?

Ein bundesweit bekannter Neonazi mit internationalen Kontakten ins rechtsterroristische Milieu steht an einem Moderationspult an der Seitenlinie der Veltins-Arena. Das Stadion ist zu diesem Zeitpunkt leer. Zu sehen ist das auf einem Foto, das die Antifaschistische Linke Bochum veröffentlicht hat.

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Der Mann hat aber nicht nur auf dem Rasen der Arena gestanden, als das Stadion leer war. Er hat dort Ende August das gesamte Zweitligaspiel von Schalke 04 gegen Fortuna Düsseldorf verbracht, zusammen mit 25.000 Zuschauern.

Sprecher einer rechtsterroristischen Gruppe

Er war ausgestattet mit einer Arbeitskarte und stand direkt am Spielfeldrand hinter einer Werbebande. Das belegen Aufnahmen, die ein Schalke-Anhänger dem WDR zur Verfügung gestellt hat. Der Fan erzählt außerdem, dass der Neonazi dort ständig Selfies gemacht habe, das sei auffällig gewesen.

Bei dem Mann, der da unten im Innenraum des Stadions steht, handelt es sich um Robin Schmiemann. Eingesetzt ist er dort als Aushilfskraft eines externen Dienstleisters aus der Werbebranche.

Robin Schmiemann hält auf einer Demonstration der rechtsextremen Splitterpartei "Die Rechte" ein Transparent

Robin Schmiemann auf einer Demonstration der rechtsextremen Splitterpartei "Die Rechte"

Schmiemann ist unter anderem als Sprecher der in Deutschland mittlerweile verbotenen rechtsterroristischen Gruppe Combat 18 (das steht für Kampfgruppe Adolf Hitler) aufgetreten und bundesweit als Briefreund der verurteilten Rechtsterroristin Beate Zschäpe vom Nationalsozialistischen Untergrund (NSU) bekannt geworden.

Auch Schmiemann hat bereits eine lange Haftstrafe verbüßt, weil er 2007 bei einem Überfall auf einen Supermarkt mehrfach auf einen Tunesier geschossen und ihn lebensgefährlich verletzt hatte. Robin Schmiemann trägt wie kaum ein anderer Neonazi in Nordrhein-Westfalen seine Nähe zu militanten und rechtsterroristischen Netzwerken zur Schau.

Externe Mitarbeiter so überprüfen wie die Ordner

Michael Mertens, der Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei in NRW, sagt, es dürfe nicht sein, dass jemand wie Robin Schmiemann in diesen hochsensiblen Bereich kommen könne. Solche Personen hätten "im Stadioninnenraum und in besonders zu schützenden Bereichen nichts zu suchen. Und wenn der da hingelangt, und zwar scheinbar problemfrei, dann kann das auch anderen gelingen und das kann nicht im Interesse der Sicherheit der Menschen sein, die ein Fußballspiel schauen wollen."

Es gebe im Stadion sicherheitsrelevante Bereiche und um Anschläge oder andere Dinge, die Menschen gefährden können, zu verhindern, würden dort eingesetzte Ordner schon seit Jahren besonders streng überprüft, sagt Mertens. Dazu zählt unter anderem die Überprüfung der Personalien in Auskunftssystemen der Polizei und anderer Sicherheitsbehörden.

Und was für Ordner gelte, so Mertens, "muss auch für andere gelten, die in diesem Bereich arbeiten, weil wir wollen, dass die Menschen in höchstmöglicher Sicherheit Fußball gucken können und nicht Opfer von Anschlägen oder anderen Straftaten werden."

Als Ordner hätte Schmiemann wohl keine Chance gehabt, ins Stadion zu kommen. Als Mitarbeiter eines externen Dienstleisters war das offenbar kein Problem. Eine Sicherheitslücke?

S04: Die Sicherheitslücke minimieren

Ja, sagt der Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei.

Ja, sagt auch Schalke 04. Allerdings gebe es für den Verein kaum eine Möglichkeit, diese Lücke zu schließen. Aus Sicht des Vereins wäre die eingehende Überprüfung aller akkreditierten Kräfte, also auch von Mitarbeitern externer Dienstleister "ohne Zweifel wünschenswert." Dies sei aber "aus datenschutzrechtlichen Gründen selbst der Polizei ohne entsprechenden Anlass und / oder Verdacht nicht möglich."

Trotzdem will Schalke den Vorfall zum Anlass nehmen "mit unseren Behörden in die Diskussion zu gehen, wie wir die Wahrscheinlichkeit derartiger Vorkommnisse künftig reduzieren und die Lücke minimieren können."

Der Verein lässt jetzt auch prüfen, ob es rechtlich möglich ist "künftig einen Passus in die vertraglichen Regelungen mit den externen Dienstleistern aufzunehmen, dass diese nur Personal einsetzen dürfen, das durch ein entsprechendes Führungszeugnis den Leumund der Person nachweisen kann."

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Schalke 04 engagiert sich seit Jahren gegen Rassismus, Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit, also gegen alles wofür Robin Schmiemann seit Jahren steht. Kurz nach der Veröffentlichung des Fotos hat der Verein reagiert und den Neonazi zur unerwünschten Person auf Schalke erklärt.

Neonazi im Stadion-Innenbereich auf Schalke

WDR 5 Westblick - aktuell 20.09.2021 05:38 Min. Verfügbar bis 20.09.2022 WDR 5


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Konsequenzen für alle Bundesligavereine gefordert

Besser könne ein Verein auf so einen Vorfall nicht reagieren, sagt der Leiter der Landesarbeitsgemeinschaft der Fan-Projekte, Patrick Arnold. Der Sozialpädagoge sagt das nicht, weil er selber Schalke-Fan ist, sondern weil er sich schon lange mit Rechtsextremismus und Fußball beschäftigt und zu diesem Thema Präventions-Trainings bei Bundesligisten abhält.

Fußballvereine seien Akteure der Zivilgesellschaft und würden diese Verantwortung auch immer mehr wahrnehmen, sagt Arnold "und da ist natürlich kein Platz für Rechtsterroristen." Der Verein habe schnell reagiert, einen Fehler erkannt und versuche jetzt "ein Leck zu schließen".

Dass Schmiemann überhaupt in der Arena gewesen sei, habe ihn überrascht, sagt Patrick Arnold. "Dass die Möglichkeit besteht, war uns so auch nicht bewusst." Allerdings müsse man sich klar machen, wie viele externe Arbeitskräfte bei so einer sportlichen Großveranstaltung eingesetzt würden "und da gibt's wahrscheinlich Lücken und die muss man künftig schließen."

Und zwar nicht nur beim FC Schalke 04, stellt Michael Mertens von der Gewerkschaft der Polizei klar: "Der Verein muss Antworten geben und diese Antworten müssen auch für andere Vereine gelten."

Stand: 20.09.2021, 10:00