Protest-Banner hängen von einem Balkon

Dortmund: Eine Mustersiedlung mit Schwachstelle

Stand: 13.05.2022, 15:58 Uhr

Eigentlich ist es ein Vorzeigeprojekt: Barrierefrei, klimaneutral, nachbarschaftlich. Und dann noch der Name: "Bergmannsgrün" nennt die Gelsenkirchener Wohnungsgesellschaft  Vivawest das Muster-Quartier im Dortmunder Stadtteil Huckarde. Doch es gibt ein Problem: einige Mieter legen sich quer.

Von Kay Bandermann

100 Millionen Euro investiert das Unternehmen in das Wohnprojekt für die Internationale Gartenausstellung in fünf Jahren. Doch einige Mieter sind alles andere als begeistert.

"Erst abreißen, dann neu bauen – macht das Sinn", fragt Horst Pagel (65), der seit seiner Geburt in der Siedlung in Hafennähe wohnt. Auch seine Mutter (87) wohnt noch in ihrer ursprünglichen Wohnung. "Ich glaube nicht, dass sie noch einen Umzug macht", meint Pagel.

Zwei Euro mehr pro Quadratmeter

Wird sie aber müssen, sagt Vivawest. Denn für die Neugestaltung des Quartiers werden 144 frühere Eisenbahner-Wohnungen abgerissen und an gleicher Stelle 200 neue gebaut. Nach den allerneuesten Standards: seniorengerecht, mit Erdwärme beheizt und mit Sonnenstrom vom Dach versorgt. Das hat seinen Preis. Mindestens zwei Euro mehr pro qm Nettokaltmiete müssen "Bestandsmieter" zahlen, wenn alles fertig ist.

Dialog mit der Mieterschaft

Da droht Ärger, ahnt man bei Vivawest und sucht den Dialog mit der Mieterschaft. Ein umfassendes Sozialkonzept wurde im Vorfeld entwickelt – externe Mediatoren inklusive. Wer will, kann in eine andere Vivawest-Wohnung in Dortmund umziehen. Auch die Rückkehr nach der Fertigstellung ist möglich. "Mit den ersten 50 Mietern haben wir jetzt schon Vereinbarungen gefunden", sagt Maurizio Lindemann von Vivawest.

Mieter protestieren gegen Vivawest-Projekt

WDR 2 13.05.2022 00:28 Min. Verfügbar bis 13.05.2023 WDR 2


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Sanieren statt abreißen

Doch der Widerstand ist bereits sichtbar. Die ersten Transparente mit Protestparolen flattern an den Balkons. Der Mieterverein Dortmund gibt zu bedenken, ob es ökologisch und sozial nicht sinnvoller wäre, die Gebäude umfassend zu sanieren, statt sie abzureißen. Er rät den Mietern, erst einmal abzuwarten. Horst Pagel bleibt entspannt. Er wohnt so lange in der Siedlung, dass er praktisch "unkündbar" ist.

Über dieses Thema haben wir in der Lokalzeit aus Dortmund auf WDR2 am 13.05. berichtet.