Der harte Corona-Alltag im Essener Gesundheitsamt

Der harte Corona-Alltag im Essener Gesundheitsamt

Von Stephanie Grimme

  • Alle Branchen brauchen Rat und Hilfe
  • Immer noch viele Corona-Tests
  • Tägliche Telefonate mit Erkrankten
  • Dringend mehr Personal benötigt

Seit mittlerweile 79 Tagen (14.05.2020) trifft sich in Essen zwei Mal täglich der Krisenstab im Lagezentrum der Unteren Gesundheitsbehörde. Die Sitzungen sind nicht mehr so lang und turbulent, wie in den ersten Wochen. Aber es gibt immer noch jeden Tag neue Entwicklungen und schwierige Fragestellungen, für die das Team aus städtischen Mitarbeitern und Feuerwehr Lösungen finden muss.

Alle Branchen brauchen Rat

Schulen, Kitas, Gastronomie, Nagelstudios, Massagesalons oder Musikschulen. Alle Branchen rufen an, und möchten Hilfe vom Gesundheitsamt. Denn die Hygienevorschriften sind streng und gelten häufig nicht eins zu eins für alle Betriebe, sagt die Leiterin des Essener Gesundheitsamtes Juliane Böttcher.

Leitfaden mit Bildern zur Corona-Symptomerkennung

Bebilderte Hilfe zur Corona-Symptomerkennung

Die wichtigste Aufgabe hat aber die Bürgerhotline. Dutzende Bürger rufen täglich an, die glauben das Coronavirus zu haben. Die Mitarbeiter haben vor sich einen bebilderten Arbeitsablauf als Gesprächsleitfaden, um verlässlich zu erkennen, welche Symptome relevant sind. Wenn ein Test nötig ist, fahren Spezialkräfte der Feuerwehr zu den Betroffenen nachhause und testen vor Ort.

Rachenabstrich durch die Nase

"Wir rufen erst an, dass wir vorbeikommen. Dann ziehen wir vor dem Haus die Schutzausrüstung an, damit wir auch sicher sind. Und dann wird das Stäbchen über die Nase bis zum Rachenraum vorgeschoben. Das ist ein bisschen unangenehm," erklärt Julian Loffeld. Er ist einer der Tester.

Wenn ein Testergebnis positiv ist, geht es darum die Infektionskette nach Möglichkeit zu stoppen. Das ist mitunter sehr aufwendig. "Heute morgen hatten wir eine Person, die hatte vorher fast 20 Kontakte und wir mussten für über 15 Personen eine Quarantäne anordnen", beschreibt Gesundheitsdezernent Peter Renzel.

Tägliche Telefonate mit Erkrankten

Auch das Quarantänemanagement ist umfangreich: Jeden Tag würden die Menschen angerufen, die in Quarantäne sind und die positiv sind. Manchmal fahren Mitarbeiter vom Gesundheitsamt auch raus, um zu gucken, ob jemand ins Krankenhaus muss. Glücklicherweise verliefen die meisten Erkrankungen aber mild.

Krise wird Normalzustand

Mitarbeiter von Bürger-Hotline telefonieren im Büro

Täglich hunderte Telefonate: Corona-Bürger-Hotline in Essen

Im Moment arbeiten alle Mitarbeiter des Gesundheitsamtes weit mehr als 100 Prozent und werden zudem noch von Mitarbeitern aus anderen Bereichen der Stadtverwaltung unterstützt, sagt der Gesundheitsdezernent. Das gehe so auf Dauer natürlich nicht weiter.

Weil die Krisensituation in den nächsten Monaten zum Normalzustand wird, werde dringend mehr Personal benötigt. Mindestens 30 Stellen. Das sei auch langfristig nötig. Denn nach der Pandemie sei auch vor der Pandemie. Und auf die wolle man von vornherein besser vorbereitet sein.

Gesundheitsämter wollen in Zukunft besser gerüstet sein

WDR 5 Morgenecho - Beiträge 14.05.2020 03:52 Min. Verfügbar bis 14.05.2021 WDR 5 Von Stephanie Grimme


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Stand: 14.05.2020, 09:34