Dortmunder Polizei weitet Videobeobachtung aus

Trügerische Sicherheit durch Videoüberwachung 03:53 Min. Verfügbar bis 23.01.2020

Dortmunder Polizei weitet Videobeobachtung aus

  • Standorte bereits festgelegt
  • Hauseigentümer werden angefragt
  • Kameras sollen noch 2019 kommen

Polizei-Kameras in der Münsterstraße in der Dortmunder Nordstadt sollen künftig vor allem Drogenhändlern und Gewalttätern das Handwerk legen. Das hat der Polizeipräsident Mitte Januar 2019 dem WDR bestätigt.

Sie seien zusätzlich zu den bisherigen Vor-Ort-Maßnahmen wie Razzien, Kontrollen und Streifendienst geplant, sagte Polizeipräsident Gregor Lange. Es werde deswegen nicht weniger Personal eingesetzt. Damit konkretisiert der Polizeipräsident seinen Vorschlag vom Dezember.

Kritik von Parteien

Daraufhin meldeten sich die Parteien: BÜNDNIS90/DIE GRÜNE meinen, Kameras würden Drogenhändler nur in die umliegenden Wohngebiete verdrängen. DIE LINKE kritisiert zudem, dass die Ergebnisse bisheriger Videobeobachtung in Dortmund kaum positive Effekte zeigten. SPD und CDU unterstützen die Idee der Polizei.

Was bringt Videobeobachtung?

Straßenschild Münsterstraße in Dortmund: Polizei-Kameras sollen dort künftig vor allem Drogenhändlern und Gewalttätern das Handwerk legen

Polizei-Kameras sollen in der Münsterstraße künftig vor allem Drogenhändlern und Gewalttätern das Handwerk legen.

Polizei-Kameras in Dortmund gibt es seit 2016 auf der Brückstraße rund um das Konzerthaus. Laut Polizei sind sie vorwiegend am Wochenende geschaltet. Dann beobachten Polizisten die Straße und senden bei Bedarf zusätzliche Kräfte dort hin. Das zeige positive Effekte: Nach Polizeiangaben ist am Wochenende die Kriminalität wie Drogenhandel und Gewalttaten um ein Drittel gesunken. Betrachte man nur die Nacht von Samstag auf Sonntag gäbe es dort sogar 54 Prozent weniger Straftaten. Diesen positiven Effekt wolle man auch für die Münsterstraße nutzen.

Wissenschaft: Kaum positive Effekte nachgewiesen

Doch bisher ist die Wirksamkeit von Videobeobachtung wissenschaftlich nicht nachgewiesen. Die Studien wären extrem aufwändig und teuer, sagt der Kriminalwissenschaftler und Jurist Klaus Boers von der Universität Münster. So müsse man sich bisher meist auf Kriminalstatistiken verlassen. Das sei wissenschaftlich aber problematisch.

Besser erforscht sind Kameras auf Parkplätzen und Parkhäusern. Die zeigten nachweislich Wirkung. "Einfache oder schwere Körperverletzung im Affekt etwa unter Betrunkenen verhindern Kameras aber nicht", ist Boers überzeugt. Wenn die Polizei-Kameras keine Wirkung zeigen würden, müssten sie wieder demontiert werden. Er will die Ergebnisse in Dortmund daher beobachten.

Stand: 24.01.2019, 08:40

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