Versuchter Lehrermord: Drei Jahre Haft für Dortmunder Schüler

Wolfgang Wittchow sitzt auf dem Schulhof der Martin-Luther-King Gesamtschule

Versuchter Lehrermord: Drei Jahre Haft für Dortmunder Schüler

Von Philip Raillon

  • Jugendlicher wollte Lehrer erschlagen
  • Schüler lockten Opfer in Hinterhalt
  • Misstrauen des Lehrers verhinderte Angriff
  • Haupttäter bekommt drei Jahre Haft im Jugendgefängnis

Der Prozess um einen versuchten Lehrermord ist am Montag (06.07.2020) am Landgericht Dortmund zu Ende gegangen. Der Hauptangeklagte, ein 17-Jähriger, ist zu drei Jahren Haft wegen versuchten Mordes verurteilt worden.

Ein weiterer Jugendlicher wurde wegen Beihilfe zu einem dreiwöchigen Jugendarrest und 100 Sozialstunden verurteilt. Die Strafe werde nicht auf Bewährung ausgesetzt, sagte ein Gerichtssprecher.

Verhandlung ohne Öffentlichkeit

Die Verhandlung gegen den 17-Jährigen und zwei 18 und 19 Jahre alte Komplizen fand unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Der dritte Angeklagte wurde hinsichtlich des Mordkomplotts freigesprochen.

Lehrer in Hinterhalt gelockt

Die Angeklagten hatten den Lehrer Wolfgang Wittchow im Mai 2019 in einen Hinterhalt auf einen Parkplatz gelockt. Sie hatten einen medizinischen Notfall vorgetäuscht. Dort wollten sie ihn mit einem Hammer erschlagen.

Eine Reihe Garagen hinter dem Schulhof

Hier sollte der Lehrer hingelockt werden

Doch Wittchow wurde misstrauisch, wie er zu Prozessbeginn sagte. "Ich habe gedacht, die hauen mir eins aufs Maul", so der Pädagoge. Er drehte deshalb vorsichtshalber den Jugendlichen nicht den Rücken zu.

Mit zwei der Angeklagten hätte er schon vorher Konflikte gehabt, den dritten Schüler kannte er nicht. Wegen des angeblichen Notfalls hatte der Lehrer bereits über das Schulsekretariat einen Rettungswagen anfordern lassen.

Mordplan flog bei Elternsprechtag auf

Die Jugendlichen hatten laut Anklage gemerkt, dass sie den Plan nicht verwirklichen können. Anschließend sollen aber zwei von ihnen über WhatsApp einen neuen Mordplan geschmiedet haben. Das Ganze flog schließlich bei einem Elternsprechtag auf.

Das Gericht sah sowohl in dem Hinterhalt als auch in dem Schmieden eines neuen Plans eine Mordabsicht. Daher entschied es sich für die Haftstrafen. Da der zweite Angeklagte "nur seinem Freund helfen" wollte, entschied sich das Gericht für den Jugendarrest. Das sei eine Alternative zur Bewährungsstrafe.

Lehrer ist erleichtert über das Urteil

Lehrer Wolfgang Wittchow spricht mit verschiedenen Journalisten im Gericht

Beim Lehrer bleiben die Sorgen

Wolfgang Wittchow ist mit dem Urteil sehr zufrieden: "Die Urteilsbegründung des Richters hätte ich Eins-zu-eins unterschreiben können." Streit mit Schülern sei für Lehrer an der Tagesordnung. "Aber wenn die Schüler für einen von langer Hand geplanten Mord nichts bekommen hätten, hätte das das Kollegium sehr belastet."

Den Haupttäter hält der Lehrer für "gewissenlos". Die Bedrohung sei dadurch bis weit in sein Privatleben gedrungen: "Wir hatten alle Angst. Mein Sohn geht nach wie vor nicht allein zur Schule, meine Frau kontrolliert nachts das Haus." Das sei nun aber erstmal vorbei.

Urteil noch nicht rechtskräftig

Die Schüler müssen die Haft erst antreten, wenn das Urteil rechtskräftig ist. Eine Revision ist zugelassen.

Stand: 06.07.2020, 15:27