Verbrennungen bei OP – Hagener wird zum Pflegefall

Verbrennungen bei OP – Hagener wird zum Pflegefall

Von Catherine Jaspard

  • OLG Hamm verhandelte Freitag über Schmerzensgeld
  • Herner Krankenhaus weist Schuld von sich
  • Patient leidet dauerhaft unter Schmerzen

Andreas Nowak wurde wegen eines Prostatakarzinoms in Herne operiert. Nach dem Eingriff klagt er über starke Schmerzen am Rücken und Po. Während der OP hat er Verbrennungen zweiten Grades erlitten. Er muss notoperiert werden, liegt 21 Tage im Koma und ist seitdem ein Pflegefall.

Elektroskalpell kann zu Verbrennungen führen

So wie bei mittlerweile fast jeder OP, kam auch bei dem damals 55-Jährigen ein Elektroskalpell zum Einsatz. Das hat den Vorteil, dass die Gefäße schnell verödet werden und kaum bluten. Über eine Elektrode wird der Strom aus dem Patienten abgeleitet. Weil der OP-Tisch aus Metall ist, liegen die Patienten auf einer sogenannten Gelmatte. Kommt der Körper aber mit dem Metall in Kontakt, leitet der natürlich den Strom und es kann zu Haut-Verbrennungen kommen.

Verbrennungen im OP passieren regelmäßig

Andreas Nowak hat bei seiner Operation 10 x 20 cm große Verbrennungen erlitten. Die haben sich derart entzündet und ausgeweitet, dass ihm in mehreren Eingriffen Muskulatur aus dem Rücken, aus der rechten Pobacke und Gewebe aus dem Oberschenkel entfernt werden mussten. „Die Nerven sind nicht mehr geschützt und liegen zum Teil direkt auf dem Knochen. Ich habe immer Schmerzen und muss starke Medikamente nehmen.

Der Maschinenschlosser hat sein Leben lang Sport gemacht, ist täglich gejoggt. Jetzt kann er nur noch mit Gehhilfen laufen – unter Schmerzen.

Sein Rechtsanwalt Christian Koch aus Unna hat etwa alle zwei Monate Mandanten mit Verbrennungen aus OPs. Dieser Fall ist allerdings sein tragischster.

OLG Hamm verhandelt

Das Herner Krankenhaus weist die Schuld von sich. Es komme nur ein atypischer Stromabfluss in Betracht. Das Risiko eines solchen atypischen Stromabflusses ließe sich nie ganz vermeiden.

Das Landgericht Bochum hat die Klage des jetzt 62-Jährigen abgewiesen; das OLG Hamm die Berufung zurückgewiesen. Es lasse sich nicht feststellen, dass den Ärzten ein Behandlungsfehler unterlaufen sei, so die Begründung. Der BGH hat anders entschieden und die Richter in Hamm aufgefordert, sich jetzt mit dem Fall zu beschäftigen.

Krankenhaus bietet Schmerzensgeld an

80.000 Euro Schmerzensgeld hat die Versicherung des Krankenhauses ihm am Freitagnachmittag (09.02.2018) vor Gericht angeboten. Wenn er die nicht annimmt, wird der Prozess neu aufgerollt. Darüber wollen Andreas Nowak und seine Frau jetzt in Ruhe nachdenken.

Stand: 09.02.2018, 16:15