Abzocke: Familie wehrt sich gegen falsche Telefonsexrechnungen

Familie wehrt sich gegen falsche Telefonrechnung 03:17 Min. Verfügbar bis 13.04.2022

Abzocke: Familie wehrt sich gegen falsche Telefonsexrechnungen

Von Philip Raillon

Betrüger setzen eine Familie aus Witten mit einer falschen Telefonsex-Rechnung unter Druck. Verbraucherschützer rechnen mit tausenden Fällen.

Der zwölfjährige Ahmed ist derjenige, der immer die Post der Wittener Familie aus dem Briefkasten holt. Vor einigen Wochen erlebt er dabei eine böse Überraschung. In der Post war ein Umschlag mit einer Rechnung über neunzig Euro. Für die Dienste einer Telefonsexhotline, die angeblich mit seinem Handy angerufen worden sein soll. Eine unangenehme Situation.

"Ich hatte ein bisschen Angst, dass ich das wirklich gemacht habe", erinnert sich der Zwölfjährige. Und meint damit aus Versehen. Doch selbst das ist aus Sicht der Familie, von Verbraucherschützern und der Polizei sehr unwahrscheinlich. Die Hotline soll der Junge laut Rechnung schon vor zwei Jahren gewählt haben, mitten in der Nacht. Damals war er zehn Jahre alt.

Verbraucherschützer rechnen mit tausenden Betroffenen

Das Rechnungsanschreiben wirkt seriös. Es wurde verschickt von einem tschechischen Unternehmen, dem Inkassobüro "Interinkassogroup" aus Prag. Im Fall der Wittener Familie kam die Rechnung unter dem Namen "Novacall". Es gibt aber auch viele andere vermeintliche Auftraggeber.

Das Geld soll die Familie überweisen oder bar per Einschreiben schicken. Mutter Najwa: "Ich hatte keine Angst, dass wir Geld bezahlen müssen. Aber dass jemand nachts anruft und meinen Sohn unter Druck setzt." Mittlerweile kommen Mahngebühren dazu. Die aktuelle Forderung beträgt fast 200 Euro.

Seit einiger Zeit sind viele von dieser Masche betroffen. "Ich gehe davon aus, dass es mehrere zehntausend Fälle sind", sagt Karolina Wojtal, Co-Leiterin des Europäischen Verbraucherzentrums in Kehl. Sie rät den Betroffenen: Nicht zahlen, sondern schriftlich widersprechen.

Kein direkter Schufa-Eintrag bei Widerspruch

Wie die Abzocker genau an die Daten kommen, ist unklar. Das Verbraucherzentrum meint, die Betrugsopfer treffe keine Schuld. "Teils gibt es Ping-Anrufe", sagt Karolina Wojtal vom EVZ. Dann sehen die Betroffenen einen verpassten Anruf auf ihrem Handydisplay und rufen zurück. Oder die Betrüger besorgen sich die Daten auf dem Schwarzmarkt: "Wir wissen, dass im Internet Adresskataloge gehandelt werden."

Zumindest müssen sich Betroffene keine Sorgen machen, dass es einen Schufa-Eintrag gibt. Die Schufa kennt das Unternehmen nicht. Und so lange Verbraucher widersprechen, kann es sowieso nicht ohne weiteres einen Eintrag geben.

Das beruhigt auch die Wittener Familie. Sie hat mittlerweile Anzeige bei der Polizei erstattet und will weiterhin nicht zahlen.

Stand: 13.04.2021, 09:49