Lockdown auch in der Kultur: Gesichter der Branche

Lockdown auch in der Kultur: Gesichter der Branche

Von Dirk Groß-Langenhoff

In der Veranstaltungsbranche arbeiten etwa anderthalb Millionen Menschen - mehr als in der Autoindustrie. Der Lockdown der Kultur-Einrichtungen trifft sie besonders hart.

Die Veranstaltungsbranche setzt rund 130 Milliarden Euro pro Jahr um. Wäre diese Branche ein Unternehmen, es wäre bestimmt systemrelevant. Doch die meisten sind Solo-Selbstständige. Sie trifft die Corona-Krise besonders hart.

Im November müssen alle Kultur-Einrichtungen wieder für mindestens vier Wochen komplett geschlossen werden. Die Förderung vom Staat ist für viele nur ein Tropfen auf den heißen Stein.

Uwe Lyko alias Herbert Knebel ist "stinkig" über die erneute Schließung der Theater

Uwe Lyko alias Herbert Knebel, im Hintergrund die Kokerei auf Zollverein

Uwe Lyko alias Herbert Knebel

"Ich habe noch zwei Solo-Auftritte Ende Februar gehabt. Und dann flatterten die Absagen oder Verlegungen für Auftritte rein. Man bekommt mit, wie die Technikfirma, mit der man zusammengearbeitet hat, pleite geht. Also, ich als Künstler habe ja immer noch so kleine Rettungsanker, wie die WDR-Mitternachtsspitzen. Aber für die Techniker und die Logistiker ist es eine absolute Katastrophe. Ich finde, man kann wegen Corona nicht das ganze Leben stilllegen. In den Theatern haben die Hygiene-Regeln sehr gut funktioniert. Ich war fassungslos, als ich gehört habe, da darf man jetzt auch nichts mehr machen."

Der freiberufliche Musiker Martin Breuer arbeitet für verschiedene Theaterprojekte lebt zurzeit aus dem Sparstrumpf

Freiberuflicher Musiker Martin Breuer, im Hintergrund die Kokerei auf Zollverein

Freiberuflicher Musiker Martin Breuer

"Mittlerweile durchlaufe ich verschiedene Gefühlswelten: von Wut bis hin zu deprimierten Momenten. Ich finde mich gerade damit ab, dass es die Wirklichkeit, die wir noch am Jahresanfang gehabt haben, auf ganz lange Sicht nicht mehr geben wird. Da ich auf die 60 zugehe, mache ich mir Sorgen über meine Rente, da ich im Moment so gut wie nichts einzahlen kann."

Kabarettistin Gerburg Jahnke kann die aktuellen Corona-Maßnahmen zwar verstehen, wünscht sich aber mehr Unterstützung von der Gesellschaft

Kabarettistin Gerburg Jahnke, im Hintergrund die Kokerei auf Zollverein

Kabarettistin Gerburg Jahnke

"Ich hatte praktisch Arbeitsverbot bis auf ein paar Open-Airs im Sommer. Ich habe mich bereitgehalten für den Fall, dass es doch irgendwie weitergeht. Und ansonsten habe ich versucht nicht depressiv zu werden. Den Kollegen, die Fernsehpräsenz haben, geht es noch ganz gut. Diejenigen, die nur auf Bühnen angewiesen sind, geht es echt beschissen. Es würde daher helfen, wenn die öffentlich-rechtlichen Sender Aufzeichnungen gerade mit diesen Bühnen-Künstlern machen würden, um ihnen über diese schwierige Zeit hinweg zu helfen."

Schauspieler Georg Göbel-Jacobi macht sich Sorgen um Kollegen ohne Rücklagen

Kabarettist Georg Göbel-Jacobi, im Hintergrund die Kokerei auf Zollverein

Kabarettist Georg Göbel-Jacobi

"Ich habe in den vergangenen Jahren viele, gut bezahlte Auftritte gehabt. Es gibt aber viele Kollegen im Kulturbereich, die kein Polster haben, von dem sie zehren können. Vor dem erneuten Lockdown durften wir nur 20 Prozent der Saalkapazität bzw. maximal 100 Personen hereinlassen. Selbst wenn wir zu diesem Status zurückkehrten, wäre es nicht kostendeckend."

Stand: 01.11.2020, 14:56