Junge im Schrank: 9 Jahre Haft im Fall Marvin K.

Der Angeklagte im Gericht. Er verdeckt sein Gesicht mit einer Mappe.

Junge im Schrank: 9 Jahre Haft im Fall Marvin K.

Am Landgericht Bochum ist am Donnerstag das Urteil im bundesweit beachteten Fall Marvin K. gefallen. Der Junge wurde nur durch Zufall von der Polizei bei dem Angeklagten im Schrank entdeckt.

Zu neun Jahren Haft mit anschließender Sicherungsverwahrung ist Lars H. vom Bochumer Landgericht verurteilt worden. Angeklagt waren unter anderem 475 Fälle sexuellen Kindesmissbrauchs und der Besitz von Kinderpornographie.

Junge nur durch Zufall entdeckt

Der damals 13-jährige Marvin saß versteckt in einem Schrank, als die Polizei ihn im Dezember 2019 eher durch Zufall fand. Eigentlich hatten die Ermittler in der Wohnung des vorbestraften Lars H. in Recklinghausen nach Kinderpornos gesucht. Dabei fanden sie Marvin, der zu dem Zeitpunkt seit zwei Jahren als vermisst galt. Marvin stammt aus Duisburg, lebte aber in einer Jugendhilfe-Einrichtung in Oer-Erkenschwick. Von dort war er im Sommer 2017 verschwunden.

Online-Bekanntschaft

Laut Anklage soll Lars H. den heute 16-Jährigen aus Duisburg über das Internet kennengelernt, versteckt und immer wieder missbraucht haben. Später stellte sich heraus: Die Polizei Duisburg hatte bereits im Juli 2019 Hinweise auf den Aufenthaltsort des Jungen. Die Sendung Aktenzeichen XY hatte über Marvins Verschwinden berichtet.

Ermittlungen gegen Polizei

Ein Zuschauer hatte sich gemeldet und der Polizei Duisburg erzählt, dass Marvin bei einem Pädophilen lebe und nannte den Wohnort von Lars H. Der Hinweis verschwand in der Akte. Die Polizei hat die Panne eingeräumt. Seit Januar 2020 ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen die Duisburger Polizei. Die Ermittlungen sollen nach dem Strafprozess in Bochum weitergeführt werden.

Im Prozess hatte der Angeklagte dem Jungen die Schuld für sexuelle Handlungen gegeben. Er sei dort freiwillig gewesen und habe bis zur Volljährigkeit bei ihm bleiben wollen.

Stand: 02.09.2021, 12:29