Urteil: Muezzin darf in Oer-Erkenschwick zum Gebet rufen

Urteil: Muezzin darf in Oer-Erkenschwick zum Gebet rufen

Das OVG Münster hat die Beschwerde eines Ehepaares gegen den Muezzin-Ruf einer Moschee in ihrer Nachbarschaft heute abgewiesen. Damit endet ein jahrelanger Streit.

Die Vorsitzende Richterin zog in ihrer Urteilsbegründung Vergleiche zu Kirchengeläut oder auch Lautsprecherdurchsagen im Wahlkampf. Die Frage, ob das Geräusch die Kläger wirklich belastet, stand hier im Vordergrund - das Gericht befand, dass die Belastung nicht zu groß sei.

Inhalt des Rufs ist ausschlaggebend für Kläger

Das Ehepaar, das etwa 900 Meter entfernt von der Ditib-Gemeinde wohnt, hatte jedoch nicht nur wegen der Lautstärke geklagt, sondern vornehmlich wegen des Inhalts des Rufs - insbesondere wegen des ausgerufenen Bekenntnisses "Allah ist der Größte".

Das Argument: Die muslimische Gemeinde stelle in ihrem Muezzin-Ruf den Gott der Muslime, Allah, über den christlichen Gott und Jesus Christus. Außerdem sei die Intonation des Rufes nichts für mitteleuropäische Ohren. Dazu sagte die Richterin am Mittwoch: "Es ist kein Zwang. Es ist ein Ruf, dem man nicht folgen muss". Eine Revision werde nicht zugelassen.

Das Gericht betonte, dass es kein Grundsatzurteil über Muezzin-Rufe an sich ist, sondern es nur um diesen Einzelfall ging.

Klage wegen Botschaft, nicht wegen Lautstärke

Seit 2014 ertönt in einer Ditib-Moschee im Kreis Recklinghausen ein Muezzin-Ruf. Immer nur freitags in der Mittagszeit für maximal 15 Minuten. Davon fühlt sich das Ehepaar gestört und hatte vor dem Verwaltungsgericht Gelsenkirchen Klage eingereicht.

Verwaltungsgericht gibt Ehepaar Recht

Damals bekam das Ehepaar Recht. Die Stadt habe die Ausnahmeregelung nur unzureichend begründet. Die Bewertung der Verhältnisse vor Ort, der Schutzwürdigkeit der Anwohner und die allgemeine Akzeptanz des Gebetsrufes seien bei der Ausnahmeregelung nicht berücksichtigt worden.

Deutsch-Arabisch 06:04 Min. Verfügbar bis 12.09.2024

Stand: 23.09.2020, 16:21