Unverpackt in jedem Supermarkt einkaufen

Das mobile Unverpackt-Regal "Naturbar"

Unverpackt in jedem Supermarkt einkaufen

Von Agata Pilarska

Acht Studierende der Ruhr-Universität Bochum haben ein mobiles Regal für trockene Lebensmittel entwickelt. Jetzt wollen sie den Einzelhandel damit erobern.

"Den Plastikmüll auf der Erde reduzieren, das ist eigentlich unser Ziel", sagt Lilli Pazurek. Die 23-Jährige studiert Biochemie an der RUB. Um Kontakte zu knüpfen, hat sie sich 2017 einem Studentenverband angeschlossen - und ahnte nicht, dass daraus eine Lebensaufgabe werden würde.

Der Studentenverband "Enactus" unterstützt studentische Start-Ups, die sich weltweit für soziale Projekte engagieren. Die kleine Bochumer Gruppe wollte lieber im heimischen Alltag helfen: "Jeder Mensch weiß, dass Plastik nicht gut für uns und die Umwelt ist, warum tun wir so wenig dagegen?"

"Nachhaltigkeit nicht mehr nur ein Trend"

Studentin Lilli Pazurek vom Projekt "Naturbar"

Studentin Lilli Pazurek vom Projekt "Naturbar"

Die Studierenden erkennen: Oft ist der Unverpackt-Laden zu weit weg und das schleppen der Glasbehälter ungemütlich. "Wir wollen, dass Nachhaltigkeit nicht mehr nur Trend ist. Die Menschen sollen verstehen, dass es gar nicht so schwer ist, einfach mal damit anzufangen", sagt Lilli Pazurek.

Also entwickelt die kleine Gruppe die "Naturbar". Das mobile Regal kann mit acht beliebigen Trockenprodukten gefüllt werden. Kunden können Lebensmittel wie Nudeln, Linsen und Couscous selbst in fünf Gramm leichte Beutel abfüllen und damit Plastikmüll vermeiden.

Drei Jahre sparen für den Prototyp

Von der Idee bis zum Bau des Prototypen vergehen über drei Jahre. Lilli Pazurek erzählt: "Wir mussten um jeden Euro kämpfen. Wir haben unter anderem Crowdfunding-Aktionen und einen Spendenmarathon gemacht." Mit der Unterstützung vom Studentenverband kam so nach und nach etwas Geld zusammen.

Davon wurden auch 2000 waschbare Beutel aus PLA-Mesh hergestellt. Die Basis des reißfesten Stoffes besteht aus Pflanzenstärken und Zuckerrohr. Produziert werden sie von einer Behinderten-Werkstatt im Kreis Recklinghausen.

Der Prototyp des Unverpackt-Regals

Der Prototyp des Unverpackt-Regals

Erstmalig getestet wurde das Gesamtkonzept auf dem Bochumer Markt. "Es kam gut an. Die Leute waren interessiert und wir fanden das toll, so ins Gespräch zu kommen," erzählt die Studentin. Ein paar Euro sind dadurch auch in die Kasse geflossen. "Wir stecken aber alles wieder in das Projekt." Geld für das Marketing hat die Gruppe bisher kaum ausgegeben. Die Follower in den sozialen Medien kamen von ganz alleine. Aktuell arbeiten die Studierenden an einer Vertriebsstruktur und wünschen sich dafür auch so ein organisches Wachstum: "Wir denken von Regal zu Regal", sagt Lilli Pazurek.

Beutel im ersten Supermarkt erhältlich

Einen Meilenstein wurde gerade erreicht: Seit zwei Wochen hat ein Supermarkt in Düsseldorf die Beutel im Sortiment. Sie eignen sich auch für den Transport von losem Obst und Gemüse.

Möglicherweise müssen sich Lilli Pazurek und ihr Team sogar bald von ihrem liebevoll entwickelten ersten Regal trennen: Auch dafür steht schon der erste Kaufinteressent vor der Tür.

Wie stoppen wir die Plastikflut? Unterwegs im Westen 21.09.2020 29:01 Min. UT Verfügbar bis 21.09.2021 WDR Von Stefanie Vollmann

Stand: 27.05.2021, 17:20