Getötete Corona-Patienten: Klinikum Lippe überprüft Arzt

Ein Arzt mit Stethoskop

Getötete Corona-Patienten: Klinikum Lippe überprüft Arzt

Am Freitag war bekannt geworden, dass ein Arzt der Uniklinik Essen zwei Patienten getötet haben soll. Nun will auch das Klinikum Lippe als früherer Arbeitgeber dessen Arbeit überprüfen.

Wie das Klinikum in Detmold am Dienstag auf dpa-Anfrage mitteilte, war der Arzt bis 2010 mehrere Jahre dort beschäftigt - zunächst als Assistenzarzt, später als Facharzt für Anästhesiologie.

Er habe das Klinikum auf eigenen Wunsch verlassen. Derzeit habe man keine Hinweise auf ein Fehlverhalten. Dennoch wolle das Klinikum Lippe den Zeitraum auf besondere Vorfälle analysieren, heißt es.

Opfer in Essen mit Covid-19 auf Intensivstation

In Essen hatten sich am Montag die Uniklinik und die Staatsanwaltschaft zu den Vorwürfen geäußert. Bei den Patienten in der Uniklinik Essen handelt es sich demnach um einen 47-jährigen Niederländer und einen 50-jährigen Deutschen. Beide lagen, belastet durch "erhebliche Vorerkrankungen", mit Covid-19 auf der Intensivstation.

Staatsanwaltschaft schließt gewollte Sterbehilfe aus

Laut Staatsanwaltschaft waren beide Patienten zum Zeitpunkt ihres Todes nicht ansprechbar, so dass der Straftatbestand "Töten auf Verlangen" ausscheidet. Erste Obduktionen hätten ergeben, dass beiden ein Herzmedikament in tödlicher Dosis verabreicht wurde.

"Medizinische Arbeit erfolgt immer im Team"

Der verdächtige Oberarzt hat seine Aussage gegenüber der Staatsanwaltschaft verweigert und sich nur der Essener Uniklinik erklärt. Die will sich zu dem Fall allerdings erstmal nicht weiter öffentlich äußern, um die aktuellen Ermittlungen nicht zu gefährden.

Ein Sprecher erklärte jedoch, dass die Arbeit von Ärzten und Pflegepersonal immer im Team stattfinde und so eine gegenseitige Kontrolle möglich sei. Alle Mitarbeiter seien dazu angehalten, Defizite sofort anzusprechen. Am Ende sei der Klinikdirektor für die geleistete medizinische Arbeit und die Qualitätskontrolle zuständig.

Ermittler überprüfen weitere Todesfälle

Für die Staatsanwaltschaft steht derweil noch reichlich Ermittlungsarbeit an. Sie will alte Patientenakten aus dem Uniklinikum prüfen - um zu klären, ob es weitere Todesfälle gibt, die mit dem Mediziner in Zusammenhang stehen könnten. Genau das soll auch in Heidelberg geprüft werden, wo der Arzt zuvor gearbeitet hatte.

Stand: 24.11.2020, 19:59