Cousine von Unfallopfer fordert Fahr-Tauglichkeitsprüfung für Senioren

Portrait von Selin Günaydin anlässlich der Petition für eine Fahrtauglichkeitsprüfung von Ü65-Fahrern

Cousine von Unfallopfer fordert Fahr-Tauglichkeitsprüfung für Senioren

Nach dem Verkehrsunfall-Tod eines 4-jährigen Jungen in Dortmund hat die Cousine eine Online-Petition gestartet: Menschen ab 65 Jahren sollen eine Fahr-Tauglichkeitsprüfung machen.

Für Selin Günaydin steht die Welt seit dem 24. Februar still – An diesem Tag hat sie ihren Cousin Melih verloren. Der Junge wartete mit seiner Mutter an einer Ampel. Die Ampel wurde für Fußgänger grün, der Junge lief los und wird von einem Auto erfasst. Am Steuer ein 84-jähriger Mann.

Melih war ein lebensfrohes Kind

"Melih war sehr freundlich, und sehr glücklich. Ein sehr lebensfrohes Kind.", sagt Selin. "Der Unfall hat dem ganzen Kindergarten und seinen ganzen Freunden einfach einen Teil aus deren Leben gerissen, dass Melih jetzt weg ist. Genauso wie er uns in der Familie jetzt fehlt."

Rettungsfahrzeuge stehen an der Unfallstelle an einer Ampel

Rettungswagen an der Unfallstelle

Hätte der Unfall verhindert werden können? Seit sie ihren kleinen Cousin verloren hat, beschäftigt Selin Günaydin diese Frage. Sie beschließt die Dinge selbst in die Hand zu nehmen und startet kurzerhand eine Online-Petition. Sie fordert eine Fahrtauglichkeitsprüfung für Senioren ab 65 Jahren.

Kein Einzelfall

Melihs Unfall ist kein Einzelfall. Nur wenige Tage später überfuhr ein 81-jähriger eine Radfahrerin und verletzte sie schwer. Während ältere Autofahrer in anderen europäischen Ländern längst regelmäßig auf ihre Fahrtüchtigkeit getestet werden, gibt es in Deutschland bisher keine solchen Regelungen.

Ralf Ziegler von der Polizei Dortmund weiß, wie oft tatsächlich Unfälle, verursacht von über 65-jährigen, hier bei uns vorkommen. "Also in den letzten fünf Jahren waren das immer 12 bis 13 Prozent, an denen Senioren beteiligt waren, d.h. das ist eher eine geringe Zahl. Was aber auffällig ist, dass wenn Senioren an Verkehrsunfällen beteiligt sind, sie dann zu fast 80% auch die Verursacher sind."

50.000 Unterschriften werden gebraucht

Ca. 19.000 Unterschriften hat Selin Günaydin bisher gesammelt. 50.000 braucht es, damit die Politik sich mit ihrer Petition befasst. Die 21-Jährige hat Hoffnung, dass sich dann endlich etwas ändert. "Damit wir sagen können, das war unser letzter Verkehrstoter, den wir durch so einen Unfall hatten und das Gleiche soll anderen Kindern nicht nochmal passieren."

Stand: 25.03.2021, 16:22