Wasserwerke Westfalen: Trinkwasser ist sicher

Wasserwerk Villigst in Schwerte abgestellt

Wasserwerke Westfalen: Trinkwasser ist sicher

Von Thorsten Pfänder

Die großen Überschwemmungen haben auf die Trinkwassergewinnung nur wenig Auswirkungen. Mancherorts wird das Wasser etwas trüber aussehen oder nach Chlor riechen.

Das kleinste Wasserwerk in Schwerte Villigst wurde vorsichtshalber abgeschaltet. Es liegt an einem Hochwasser-Hotspot der Ruhr. Hier wird das Wasser nur mit UV-Strahlung gereinigt. Das reicht eigentlich aus, aber zur Zeit sind mehr Schadstoffe im Ruhrwasser, durch überschwemmte Betriebe und Wohnhäuser oder durch auslaufende Treibstofftanks.

Wasserwerke sehen keinen Grund zur Sorge

Übers Ufer gelaufenes Wasser ist zu sehen.

Die Wasserwerke Westfalen versorgen mit ihren sechs Werken Gebiete von Soest bis Witten. Den Job des Villigster Wasserwerkes übernehmen jetzt zum Beispiel die größeren in Halingen und Hengsen. Von Hengsen aus werden auch Teile Dortmunds mit Trinkwasser versorgt. Anders als Villigst können diese Werke das Wasser zusätzlich chloren.

Trübes Wasser aus dem Hahn

Die Konsequenz: Das Wasser kommt trüber aus dem Hahn und kann leicht nach Chlor riechen. Die Wasserqualität der Ruhr und des Trinkwassers wird am Hauptsitz der Wasserwerke Westfalen, in Hengsen dauerhaft kontrolliert. Eine Gesundheitsgefahr besteht derzeit nicht. Die Wasserwerke rechnen auch nicht mehr damit und verweisen schriftlich auf bisherige Erfahrungen:

"Es gab vereinzelte Fälle von Einschwemmungen von z. B. Kraftstoff- und Ölresten in die Ruhr und Nebengewässer. Wir konnten bisher keine Stoffe in bedenklicher Höhe nachweisen. Durch die hohen und schnellen Wassermassen sowie unserer Filterstufen geht voraussichtlich hiervon keine Gefahr für das Trinkwasser aus. So war es bei bisherigen Hochwässern."

Langsamsandfilter teilweise überspült

Wasserwerk Hengsen an der Ruhr

Zum Vergleich: Das Wasserwerk Hengsen ohne Hochwasser

Bei der mehrstufigen Reinigung muss das Ruhrwasser auch durch die Langsamsandfilter sickern. Die sind nun teilweise von den Wassermassen der Ruhr überspült worden. Die Wasserwerke Westfalen gehen aber davon aus, dass die Pegel jetzt sinken werden.

Konsequenzen für die Zukunft

Das gewaltige Ausmaß des Hochwassers hat die Wasserwerke überrascht. Es gab auch hier einige technische Schäden. Zum Beispiel werden mehr Sandsäcke eingelagert oder eine elektrische Anlage, die jetzt abgesoffen ist, wird künftig auf einem Sockel stehen.

Nach dem Unwetter - die Schäden im Ruhrgebiet

Bilder der Verwüstung und Überflutung. Rekordstände der Bäche und Flüsse, vollgelaufene Keller und Häuser - die Tage nach dem Starkregen.

Die Verbundungsstraße von Breckerfeld ins Volmetal ist durch Hochwasser zerstört

"Es knallte fürchterlich, als die Teerplatten und das Gestein wegbrachen", erzählt Petra Höllmer aus Hagen. Sie wohnt an der Straße, die von Breckerfeld ins Volmetal führt und die bei dem Unwetter plötzlich verschwand.

"Es knallte fürchterlich, als die Teerplatten und das Gestein wegbrachen", erzählt Petra Höllmer aus Hagen. Sie wohnt an der Straße, die von Breckerfeld ins Volmetal führt und die bei dem Unwetter plötzlich verschwand.

Ihre Nachbarn sind bei Verwandten untergekommen. Aber die Straße wird monatelang niemand mehr nutzen können.

Auch in Hagen-Dahl ist eine Fahrbahn abgesackt. Die Brücke, die erst im vergangenen Jahr neu gebaut wurde, ist völlig zerstört. Die Gasleitung liegt frei.

Der Krisenstab der Stadt Hagen hatte bereits am Mittwoch den Katastrophenfall ausgerufen. Die Bundeswehr kam mit Räumpanzern, um die Verwüstungen nach zwei Tagen Regen zu beseitigen. 200 Soldaten sind im Einsatz.

Am Donnerstagmorgen haben Soldaten mehrere Mitarbeiter eines Stahlwerks in Sicherheit gebracht. Sie waren die ganze Nacht in ihrem Betrieb eingeschlossen.

Diese Sandsäcke haben wohl verhindert, dass die halbe Hagener Innenstadt vollläuft. Die großen Einkaufsgalerien und einige Geschäfte sind geschlossen. Auch das Hagener Rathaus bleibt dicht, denn dort stand das Wasser im Erdgeschoss.

Das ist nicht der Amazonas, sondern die Ruhr bei Hattingen. Mit einem Pegelstand von sieben Metern hat der Fluss einen Rekordhöchststand erreicht.

Und Entspannung ist nicht in Sicht - auch nicht für dieses Hotel und den Campingplatz. Denn aus dem Sauerland wird weiteres Wasser erwartet.

In der Nacht zu Freitag hatte die Feuerwehr in Hagen kaum noch Einsätze. Die Auswirkungen des Jahrhunderthochwassers sind aber noch deutlich zu erkennen.

In einem Kaltwalzwerk in Hagen Hohenlimburg stand der Schlamm hüfthoch. Durch das Unwetter wurden Tore der Halle eingedrückt. Der Schaden beläuft sich auf einen zweistelligen Millionenbetrag.

In Hagen ist die Bundeswehr nach wie vor im Einsatz: Hier wird mit Hilfe eines schweren Einsatzfahrzeuges ein Auto angehoben.

Unermüdlich packen die Helfer in den Überschwemmungsgebieten an. Um viele geparkte Autos, wie hier in Hagen-Nahmer, konnte sich bisher aber niemand kümmern.

Stand: 16.07.2021, 15:37