Trinkhallen und Steigerlied sind jetzt offiziell Kulturerbe

Trinkhalle ist jetzt Kulturerbe

Trinkhallen und Steigerlied sind jetzt offiziell Kulturerbe

Von Olaf Biernat

Stellvertretend für das Ruhrgebiet hat eine 26-Jährige aus Schwerte die Auszeichnung des Landes für die Trinkhallenkultur entgegengenommen. Und sie hat noch viel vor mit den Buden im Revier. Auch das Steigerlied wurde als Immaterielles Kulturgut ausgezeichnet.

Marie Enders hat die Trinkhallen im Ruhrgebiet in ihrer Abschlussarbeit der Hochschule Aachen aus wissenschaftlicher Sicht beleuchtet. Dafür hat die gebürtige Schwerterin auch eigene Feldstudien betrieben und war so fasziniert von den "Buden", dass sie beschlossen hatte, beim Land NRW einen Antrag zu stellen. Der Inhalt:  die Trinkhallenkultur soll zum immateriellen Kulturerbe erklärt werden.

26-Jährige nimmt Auszeichnung für das Ruhrgebiet entgegen

Das war im Jahr 2019 und am Mittwoch (9.06.2021) war es endlich so weit. Stellvertretend für das gesamte Ruhrgebiet hat sie die Auszeichnung im Kulturministerium in Düsseldorf entgegengenommen. "Das ist eine große Ehre und freut mich sehr. Ich glaube, dass die Trinkhalle eine soziale Haltestelle im Revier ist". Genau das würdigt auch das Land NRW, das von "Orten der Integration und des Austausches" spricht.

Dachverband von Trinkhallen könnte entstehen

Marie Enders mit erfolgreichen Antrag zur Kultur

Marie Enders hat den Antrag gestellt

Die Forschungen der 26-Jährigen Marie Enders gehen jetzt erst richtig los. Sie schreibt ihre Doktorarbeit über Trinkhallen und durch die Auszeichnung des Immateriellen Kulturerbes ist sie angespornt: "Das hat mir den Anstoß gegeben, die Buden zu einer organisierten Trägerschaft einzuladen. Bislang gibt es keinen Dachverband und genau so etwas könnte die Buden in sichere nächste Jahrzehnte führen".

Steigerlied wird auch heute noch inbrünstig gesungen

Auch das Steigerlied ist ausgezeichnet worden. Der Verein Ruhkohle-Musik aus Herten hatte den Antrag gestellt, der ebenfalls vom Land NRW aus insgesamt 18 Vorschlägen ausgewählt wurde. "Glück auf, der Steiger kommt hat selbst nach dem Ende des Steinkohlenbergbaus seine identitätsstiftende Kraft nicht eingebüßt", heißt es in der Begründung. Und tatsächlich wird das Lied überall im Ruhrgebiet zu allen möglichen kulturellen Veranstaltungen bis heute mit Stolz und Inbrunst gesungen.

Liste von Kulturerben wird immer länger

Damit stehen jetzt zwölf Einträge im Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes in NRW. Im Gegensatz zu Orten sind das Kulturformen, die verbreitet sind, die man aber nicht greifen kann. Dazu zählt unter anderem der Rheinische Karneval, das Schützenwesen oder die Bolzplatzkultur. Die Auszeichnung dient als kulturstiftend und ist nicht mit einem Preisgeld dotiert.

Zuhause im Ruhrgebiet: Unterwegs mit Frank Goosen Heimatflimmern 09.10.2020 44:03 Min. UT AD Verfügbar bis 09.10.2021 WDR Von Clemens Gersch, Michael Wieseler

Stand: 09.06.2021, 11:13