Streit um Trianel-Kraftwerk: Etappensieg für den BUND

Luftaufnahme des Steinkohlekraftwerks Trianel in Lünen

Streit um Trianel-Kraftwerk: Etappensieg für den BUND

  • Bund für Umwelt und Naturschutz klagt gegen Trianel
  • Bundesverwaltungsgericht hat Urteil der Vorinstanz aufgehoben
  • Steinkohlekraftwerk seit fünf Jahren in Lünen am Netz

Im Streit um das Steinkohlekraftwerk Trianel in Lünen hat der BUND am Mittwoch (15.05.2019) einen Etappensieg errungen. Die Umweltorganisation hatte gegen die Genehmigung für das Steinkohlekraftwerk von Trianel in Lünen geklagt - wegen der möglichen Belastung für ein Naturschutzgebiet.

Urteil der Vorinstanz aufgehoben

Das Oberverwaltungsgericht Münster hatte die Genehmigung des Landes für das Kraftwerk zunächst bestätigt. Dieses Urteil hat das Bundesverwaltungssgericht als oberste Instanz jetzt aber kassiert und entschieden, dass die Richter in Münster die Schadstoff-Belastung noch einmal gründlich prüfen müssen.

2016 hatte der BUND beim Oberverwaltungsgericht in Münster noch verloren. Doch seine Beschwerde gegen die Nichtzulassung einer Revision hatte Erfolg. Darum wurde dann vor dem Bundesverwaltungsgericht in Leipzig verhandelt.

BUND: Schadstoffausstoß zu groß

Der BUND meint, der Schadstoffausstoß des Kraftwerks sei zu groß. Besonders betroffen seien der benachbarte Wald in Cappenberg und die nahegelegenen Lippeauen. Das Oberverwaltungsgericht sah das 2016 anders. Es gebe zwar Überschreitungen in den Naturschutzgebieten. Die lägen aber innerhalb von Bagatellgrenzen.

Strittig ist unter anderem, welche sonstigen Betriebe zur Verschmutzung beitragen. Und wer aufgrund seiner Genehmigung vorrangig Luft und Böden belasten darf.

Kraftwerk gehört Stadtwerkeverbund

Das Steinkohlekraftwerk in Lünen ist bereits seit Ende 2013 am Netz. Kraftwerksbetreiber ist der Stadtwerkeverbund Trianel. 1,4 Milliarden Euro hat das Kraftwerk gekostet. Laut Trianel gehört es zu den weltweit saubersten Kraftwerken.

Der mehr als zehn Jahre andauernde Kampf des BUND gegen die Genehmigung für das Kraftwerks hat längst Rechtsgeschichte geschrieben. Der Europäische Gerichtshof hatte erstmals einem Naturschutzverband das Recht zugestanden, gegen einzelne Industrieanlagen zu klagen.

NRW-Kohlekraftwerke in Bildern

NRW ist ein Kohleland. Wie viel Leistung bringen die Braun- und Steinkohle-Kraftwerke? Und wie viel CO2 stoßen sie aus? Eine Übersicht in Bildern.

Braunkohlekraftwerk Neurath

Kraftwerk Neurath
Das Braunkohle-Kraftwerk Neurath in Grevenbroich (Rhein-Kreis Neuss) stößt jährlich etwa 30 Millionen Tonnen CO2 aus und ist damit Emissionsspitzenreiter in NRW. Das RWE-Kraftwerk besteht aus sieben Blöcken und wird mit Kohle aus dem Tagebauen Garzweiler und Hambach beliefert.

Kraftwerk Neurath
Das Braunkohle-Kraftwerk Neurath in Grevenbroich (Rhein-Kreis Neuss) stößt jährlich etwa 30 Millionen Tonnen CO2 aus und ist damit Emissionsspitzenreiter in NRW. Das RWE-Kraftwerk besteht aus sieben Blöcken und wird mit Kohle aus dem Tagebauen Garzweiler und Hambach beliefert.

Kraftwerk Niederaußem
Gemessen an seiner Leistung ist das Braunkohle-Kraftwerk Niederaußem in Bergheim (Rhein-Erft-Kreis) die Nummer zwei in NRW. 3.406 MW Strom liefert die RWE-Anlage ins öffentliche Netz und stößt dabei über 27 Millionen Tonnen CO2 aus. Die Kohle kommt aus dem Tagebau Hambach. Zwei Blöcke sind seit dem 1. Oktober 2018 in Sicherheitsbereitschaft.

Kraftwerk Weisweiler
Das Kraftwerk Weisweiler erzeugt seit 1955 in Eschweiler (Städteregion Aachen) Strom aus Braunkohle. Befeuert wird das RWE-Kraftwerk mit Kohle aus dem Tagebau Inden. Weisweiler stößt mit seinen sechs Blöcken jährlich rund 19 Millionen Tonnen Kohlenstoffdioxid aus und rangiert in Sachen CO2-Emissionen in NRW damit auf Platz drei.

Kraftwerk Frimmersdorf
60 Jahre lang lieferte das Braunkohle-Kraftwerk Frimmersdorf Strom. Anfang Oktober 2017 ist es in die sogenannte Sicherheitsbereitschaft gegangen. Vier Jahre lang soll es bei Stromengpässen als Notreserve bereitstehen, beispielsweise bei extremen Wettersituationen. Durch die vorläufige Stilllegung der beiden Blöcke in Frimmersdorf können nach RWE-Angaben jährlich rund fünf Millionen Tonnen CO2 eingespart werden.

Kraftwerk Frechen/Wachtberg
Auch in Frechen (Rhein-Erft-Kreis) gibt es im Stadtteil Wachtberg ein Braunkohle-Kraftwerk. Mit fünf Kesseln versorgt das RWE-Kraftwerk den dazugehörigen Braunkohle-Veredelungsbetrieb mit Strom und Dampf. Dort werden Briketts und Braunkohlestaub produziert. Zusätzlich werden auch private Haushalte mit Strom versorgt.

Trianel-Kraftwerk in Lünen
Das Trianel-Kraftwerk in Lünen (Kreis Unna) lässt sich wie ein Automotor kurzfristig rauf- und runterfahren. Aus Sicht der Netzbetreiber ist das Kraftwerk eine Art "Retter in der Not". Falls weniger Wind- und Sonnenstrom
produziert wird als erwartet, kann das Steinkohle-Kraftwerk in Lünen einspringen. Die Anlage ist seit Ende 2013 am Netz. Umweltschützer hatten sich massiv gegen das Kraftwerk gewehrt.

Kraftwerk Datteln 4
Der umstrittene Neubau des Steinkohle-Kraftwerks Datteln 4 im Kreis Reckllinghausen hat immer wieder für Auseinandersetzungen und Proteste gesorgt. Im Jahr 2020 soll die Anlage offenbar ans Netz gehen. Die Inbetriebnahme des Uniper-Kraftwerks ist bereits mehrfach vor Gericht gescheitert. Mit einer Leistung von 1.100 Megawatt (MW) soll der Neubau über drei Mal mehr Strom als seine Vorgänger produzieren. 

Kraftwerk Duisburg-Walsum
Das Steag-Kraftwerk in Duisburg-Walsum erzeugt nicht nur Strom, sondern auch Fernwärme und Wasserdampf. Die Anlage liegt direkt am Rhein auf dem Gelände der ehemaligen Zeche Walsum. Zwei Blöcke sind noch in Betrieb, ein Block befindet sich in der sogenannten Sicherheitsbereitschaft. Die noch aktiven Blöcke des Steinkohle-Kraftwerks haben eine Leistung von 1.095 MW.

Kraftwerk Scholven
Das Steinkohle-Kraftwerk Scholven in Gelsenkirchen bietet mit seinen über 300 Meter hohen Schornsteinen und seinen fünf Kühltürmen eine typische Industriekulisse. Bereits zum Jahresende 2014 sind drei Blöcke der Uniper-Anlage stillgelegt worden. Aktuell produziert Scholven gut 760 MW Strom und zusätzlich Fernwärme für tausende Wohnungen in der Region.

Steinkohle-Kraftwerke außerhalb des Ruhrgebiets
Viele Steinkohle-Kraftwerke befinden sich dort, wo einst Steinkohle gefördert wurde. Außerhalb des Ruhrgebiets finden sich Steinkohle-Kraftwerke etwa im nördlichen Münsterland oder in Ostwestfalen. Das RWE-Kraftwerk Ibbenbüren (Kreis Steinfurt) bringt es auf eine Leistung von 794 MW. Die Uniper-Anlage Heyden in Petershagen (Kreis Minden-Lübbecke) bringt es auf 875 MW Strom.

Stand: 15.05.2019, 11:45