Corona-Tierboom: Praxen und Tierheime oft am Limit

Liebe Dein Haustier-Tag

Corona-Tierboom: Praxen und Tierheime oft am Limit

Von Maren Bednarczyk

Viele Tierheime können keine oder kaum noch Tiere aufnehmen und auch Tierarztpraxen müssen Patienten teilweise abweisen. Zum Beispiel die Praxis von Thomas Sabel in Essen.

Wir treffen Thomas Sabel in seiner Mittagspause. So ruhig ist es in der Praxis momentan selten. Und das hört er auch von seinen Kollegen - Sabel ist nämlich Kreisstellenvorsitzender der Tierärztekammer Nordrhein: "Für Essen kann ich sagen, dass wir fast durchgängig in einem überforderungsnahen Zustand sind. Durch die Corona-Situation und die oft sehr unbedachte Anschaffung von Haustieren, hat sich das Aufkommen in den Praxen und auch in der Tierklinik hier in Essen verschärft." Teilweise müsse man die Leute weiterschicken, sagt er.

"Viele Besitzer wissen nicht, was sie tun"

Durch die Pandemie seien die Sprechstunden limitiert, weil sich die Menschen in der Praxis möglichst nicht begegnen sollen. Außerdem hätten sich einfach sehr viele oft unbedacht Tiere angeschafft: "Es sind mehr Leute, die im Home Office denken: Da könnte ja noch ein Tier dazukommen." Und viele Besitzer wüssten nicht, was sie tun.

Von diesem Phänomen weiß auch René Kompaß, Geschäftsführer der Tierärztekammer Nordrhein, den wir am Dienstag telefonisch erreichen konnten.

Dr. Thomas Sapel Tierarzt in Essen

Tierarzt Thomas Sabel

Ein weiteres großes Problem: Der illegale Welpenhandel. "Es gibt in Deutschland zu wenige junge Hunde, um das Bedürfnis der Leute zu befriedigen. Die Folge ist, dass sich viele einen Welpen bei eBay kaufen oder einen, der aus Osteuropa importiert wurde", erklärt Sabel. Genau diese Tiere seien oft in einem sehr schlechten Zustand und würden nicht selten Krankheiten nach Deutschland bringen. Der Veterinärmediziner empfiehlt generell, neue Haustiere unter anderem impfen und entwurmen zu lassen: "Nicht googlen, sondern im Zweifel zum Tierarzt."

Nach Weihnachten: Tierheim in Sorge

Auch im Essener Tierheim sei man schon länger am Limit, sagt Elke Esser-Weckmann, Vorsitzende des Tierschutzvereins. "Wir haben im Moment rund 100 Katzen, viel mehr geht nicht." Sie hofft auch, dass jetzt, nach Weihnachten, nicht so viele Menschen ihre geschenkten Haustiere wieder abgeben wollen. Das sei oft verzögert und entscheide sich in den nächsten Wochen, erklärt sie.

Thomas Sabel hat da einen gut gemeinten Rat: "Die Leute, die kein Tier haben, sollen sich vor der Anschaffung gut beraten lassen und nicht impulsiv handeln - wie bei einem Paar Schuhe aus dem Internet."

Stand: 11.01.2022, 16:19

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