Thyssen-Krupp testet erstmals Stahlproduktion mit Wasserstoff

Thyssen-Krupp testet erstmals Stahlproduktion mit Wasserstoff

Von Lisa Mathofer

  • Weltweit erster Versuch
  • Wasserdampf statt Kohlendioxid
  • Minister Pinkwart: "Großer Erfolg"

Der Stahlhersteller Thyssen-Krupp hat am Montag (11.11.2019) in seinem Duisburger Werk als erstes Unternehmen weltweit einen erfolgreichen Versuch gestartet, bei der Stahlproduktion Kohlenstaub durch Wasserstoff zu ersetzen. Der größte deutsche Stahlhersteller will die Stahlproduktion so klimafreundlicher machen, bis 2050 klimaneutral werden.

Ziel: Kein klimaschädliches Kohlendioxid mehr

Bei dem Test mit dem Industriegasekonzern Air Liquide wurde eine Pilotanlage zur weniger umweltschädlichen Stahlproduktion in Betrieb genommen: 4000 Kubikmeter Wasserstoff wurden in den Hochofen gepumpt. Beim bisherigen Einsatz von Kohlenstaub im Hochofen landet klimaschädliches Kohlendioxid in der Luft. Wird der Staub aber durch Wasserstoff ersetzt, wird Wasserdampf freigesetzt.

"Grüner Stahl" am Ende der Produktion

"Wir leisten hier Pionierarbeit", sagte Thyssen-Krupp-Stahlchef Premal Desai am Montag (11.11.2019). Am Ende der Produktion werde "grüner Stahl stehen". Er machte aber auch deutlich, dass das Unternehmen dabei auf finanzielle Unterstützung durch den Staat setzt. "Das werden wir nicht aus unserem Betrieb heraus finanzieren. Das ist eine große gesellschaftliche Aufgabe."

Auch NRW-Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart (FDP) gehörte zu den ersten Gratulanten der geglückten Weltpremiere in Duisburg. Die Stahlindustrie habe eben immer für Fortschritt gestanden, sagte er: "Vor 200 Jahren war hier überwiegend Landwirtschaft, in der über 90 Prozent der Menschen arbeiteten. Heute arbeiten nicht mal ein Prozent in der Landwirtschaft, wir werden alle satt und alle anderen haben auch etwas Sinnvolles zu tun. Und es geht ihnen allen viel besser als vor 200 Jahren – welch großer Erfolg."

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Das Verfahren steht aber erst am Anfang. Ab dem Jahr 2022 sollen nach früheren Angaben von Thyssen-Krupp schrittweise alle vier Hochöfen in Duisburg auf die Zufuhr von Wasserstoff umgestellt werden. Der Stahlhersteller sieht dadurch ein theoretisches Einsparpotenzial von rund 20 Prozent des sonst anfallenden Kohlendioxids.

Die Hochöfen am Standort Duisburg produzierten laut Vorstandsmitglied Klaus Keysberg 2,5 Prozent der gesamten CO2-Emissionen in Deutschland. Im Gesamtkonzern entfielen 95 Prozent der CO2-Produktion auf die Stahlsparte. Thyssen-Krupp hat die Kosten für den Umbau der Produktion auf rund zehn Milliarden Euro beziffert.

Laut Umweltbundesamt ist das Werk von Thyssen-Krupp in Duisburg die Industrieanlage mit den höchsten Kohlendioxid-Emissionen in Deutschland.

Stand: 11.11.2019, 16:20

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