Thyssen-Krupp will 6.000 Jobs streichen

Die Thyssen-Krupp-Zentrale in Essen

Thyssen-Krupp will 6.000 Jobs streichen

Von Dirk Groß-Langenhoff und Sabine Meuter

  • EU hat Nachbesserungen für die Fusion gefordert
  • Thyssen-Krupp sagt Abspaltung der Stahlsparte ab
  • Konzern will 6.000 Stellen streichen
  • IG Metall fordert klare Zukunftsperspektive für Mitarbeiter

Der Essener Stahlkonzern Thyssen-Krupp rechnet nicht mehr damit, dass die EU der Fusion mit Tata Steel zustimmt. Deshalb hat der Konzern die Aufspaltung in zwei eigenständige Konzerne am Freitag (10.05.2018) abgesagt.

Stahlfusion geplatzt: Wie geht es für die Mitarbeiter weiter?

WDR 5 Morgenecho - Interview 11.05.2019 05:46 Min. Verfügbar bis 10.05.2020 WDR 5

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Der Vorstand von Thyssen-Krupp habe die strategischen Optionen jetzt neu bewertet und dem Aufsichtsrat vorgeschlagen, die geplante Abspaltung der Stahlsparte zu stoppen. Stattdessen solle der Konzern sich neu ausrichten und die Verwaltung schlanker machen. "Wir bauen einen völlig neuen Konzern", sagte Vorstandschef Guido Kerkhoff. Er will die Aufzugssparte an die Börse bringen, um frisches Kapital einzusammeln.

Guido Kerkhoff vorlaeufiger Chef Thyssen-Krupp

Vorstandschef Guido Kerkhoff

Vorstandschef Kerkhoff sagte, dass man nach dem Scheitern der Fusion nicht um eine Restrukturierung der stark defizitären Stahlsparte herumkomme. Er rechnet damit, dass 6.000 Mitarbeiter ihren Job verlieren werden, 4.000 davon in Deutschland.

Verunsicherung bei den Beschäftigten

Beschäftigte am Werk in Duisburg reagierten verunsichert auf die Nachricht aus Essen. "Wir erwarten vom Vorstand eine klare Aussage darüber, wie es konkret weitergeht", sagte ein Mitarbeiter dem WDR. Die IG Metall forderte vom Vorstand ebenfalls konkrete Vorschläge, wie der Konzern in eine neue Zukunft gehen soll. "Das alles ist eine unsägliche Belastung für die Beschäftigten", sagte IG-Metall-Sekretär Markus Grolms, der gleichzeitig im Aufsichtsrat von Thyssen-Krupp sitzt.

NRW-Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart (FDP) stärkte indes den Thyssen-Krupp-Beschäftigten den Rücken. Die Landesregierung werde in den kommenden Wochen und Monaten darauf achten, dass die Interessen der Mitarbeiter und der Standorte in NRW gewahrt und neue Wege zur künftigen Stärkung der Kerngeschäftsbereiche entwickelt werden. "Hier stehen wir im engen Kontakt mit Vorstand, Gewerkschaften und Betriebsrat", so Pinkwart.

Bedenken der EU

Die Wettbewerbskommission hatte die von Thyssen-Krupp und Tata Steel vorgeschlagenen Nachbesserungen der eingereichten Zusagen zum Anlass genommen, einen weiteren Markttest durchzuführen. Die erneute Marktbefragung hat die Bedenken der Kommission nicht ausräumen können.

Stand: 10.05.2019, 15:51

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