NRW-Industrieriese Thyssen-Krupp mit geschrumpftem Gewinn

NRW-Industrieriese Thyssen-Krupp mit geschrumpftem Gewinn

Von Jörg Marksteiner

  • Konzern soll bis 2020 zweigeteilt werden
  • Jahresziele verfehlt, Gewinn geschrumpft
  • Drohende Strafe durchs Kartellamt
  • Unsicherheit bei Mitarbeitern

Stahl-Abschied, Druck von Investoren, Führungskrise, doppelte Gewinnwarnung, Konzernspaltung: Der Essener Traditionskonzern Thyssen-Krupp hat ein turbulentes Jahr hinter sich. Keine einfache Aufgabe für den neuen Firmenchef Guido Kerkhoff. Er will bei Mitarbeitern und Anlegern um Vertrauen werben.

Welche Probleme hat Thyssen-Krupp?

Viele. Hauptproblem: Nach milliardenschweren Fehlinvestitionen in Brasilien ist die Firma noch immer finanziell geschwächt. Probleme in einzelnen Sparten schlagen daher voll durch: Fabrikbau, Autoteile, Aufzugbau, drohende Kartellstrafen beim Stahl – nirgendwo läuft es im Moment richtig rund.

Thyssen-Krupp schreibt zwar schwarze Zahlen. Aber rund 60 Millionen Euro Gewinn – das ist viel zu wenig bei 40 Milliarden Euro Umsatz. Damit fehlt ein Puffer für schlechte Zeiten.

Was plant das neue Management?

Den radikalsten Einschnitt der Firmengeschichte. Der Konzern soll bis 2020 in zwei eigenständige Firmen geteilt werden: "Industrials" (Aufzüge, Autoteile, Fabrikbau) und "Materials" (Handel, Stahl, Marine). Die IG Metall unterstützt das.

Vorteil: Spezialisten gelten als schneller, profitabler und sind bei Anlegern deshalb beliebter. Nachteil: Für die 158.000 Mitarbeiter gibt es kein schützendes Konzerndach mehr.

Was droht den Mitarbeitern in NRW?

Unklar. Mit 39.000 Stellen in NRW ist Thyssen-Krupp einer der größten Arbeitgeber im Land. Von der Aufteilung der Essener Konzernzentrale sind unmittelbar 700 Mitarbeiter betroffen. Ein größerer Stellenabbau droht aber nicht, weil Personalwesen, Controlling usw. ja künftig doppelt benötigt werden.

Unklar ist dagegen, was auf den mit Problemen bei Großprojekten kämpfenden Fabrikbau zukommt. Mitarbeiter fürchten, dass mehr als die angekündigten 2.000 Jobs wegfallen könnten.

Thyssenkrupp: "Es sind Konzepte notwendig"

WDR 5 Morgenecho - Interview | 18.07.2018 | 05:09 Min.

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Was wird aus den Stahlwerken?

Sie stehen vor dem Abschied. Die EU prüft derzeit den für 2019 geplanten Zusammenschluss mit Tata. An der Gemeinschaftsfirma wird "Thyssenkrupp Materials" nur noch 50 Prozent halten. Ein späterer Börsengang ist wahrscheinlich.

Die 27.000 betroffenen Stahlarbeiter haben eine Jobgarantie bis 2026. Damit sind sie im Moment formal besser geschützt als der Rest der Belegschaft.

Stand: 21.11.2018, 08:22