Thyssen-Krupp streicht offenbar noch mehr Stellen

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Thyssen-Krupp streicht offenbar noch mehr Stellen

Von Kai-Hendrik Haß

  • Konzern legt Bilanz 2018/19 vor
  • Jahresverlust von 300 Millionen Euro
  • Mehr Arbeitsplätze als gedacht fallen weg

Ist sie der neue Besen, der endlich gut kehrt? Gleich bei ihrem Amtsantritt als Vorstandsvorsitzende Anfang Oktober hatte Martina Merz zu Protokoll gegeben:"Thyssen-Krupp ist momentan in keiner einfachen Lage." Die passenden Zahlen dazu lieferte der Essener Konzern am Donnerstag (21.11.19): Thyssen-Krupp muss im Ende September abgelaufenen Geschäftsjahr einen Jahresverlust von 300 Millionen Euro verkraften. Zudem sollen die Aktionäre in diesem Geschäftsjahr keine Dividende bekommen.

Noch mehr Arbeitsplätze fallen weg

Martina Merz (links) und Guido Kerkhoff

Martina Merz löste Guido Kerkhoff ab

Merz wird bei Thyssen-Krupp offenbar noch mehr Stellen abbauen, als ursprünglich geplant. In Plänen, die noch von ihrem Vorgänger Guido Kerkhoff stammen, war von 6.000 Arbeitsplätzen die Rede – viele davon in Deutschland. Jetzt ist klar: Der Stellenabbau wird wohl noch umfangreicher. Derzeit könne nicht ausgeschlossen werden, "dass es mehr Stellen werden, die wir abbauen müssen", so Personalvorstand Oliver Burkhard, der hinzufügte: "Schritt für Schritt werden wir da genauer werden können."

Essener Zentrale und Standort Bremen betroffen

Erste konkrete Maßnahmen sind unterdessen schon bekannt: Unmittelbar betroffen von den Umstrukturierungen wird die Essener Konzernzentrale sein. Dort soll knapp die Hälfte der 800 Stellen innerhalb der nächsten zwölf Monate wegfallen.

Auch am Standort Bremen sollen 300 der 800 Stellen wegfallen, teilt das Unternehmen mit. Die 160.000 Mitarbeiter verlangen baldmöglichst Klarheit.

Viele Baustellen

Der Konjunkturabschwung hat die Sparten Stahl- und Autozulieferung voll erwischt. Auch der Bau von Industrieanlagen sei momentan wenig lukrativ. Das abgelaufene Geschäftsjahr möchte die neue Vorstandschefin Merz schnell hinter sich lassen. Die gescheiterte Fusion der Stahlsparte mit dem europäischen Stahlgeschäft des indischen Tata-Konzerns und wachsende Schulden haben auch den Aktienkurs auf Talfahrt geschickt. Ende September flog Thyssen-Krupp aus dem Leitindex DAX.

Großes Interesse an lukrativer Aufzugssparte

Finanzielle Perle im Konzern bleibt die Aufzugssparte. Den Wert beziffern Analysten mit bis zu 17 Milliarden Euro. Damit endlich Geld in die Kasse kommt, will Thyssen-Krupp den Bereich mit rund 50.000 Mitarbeitern teilweise verkaufen oder an die Börse bringen. Die Interessenten stehen Schlange. Gute Chancen werden einem Konsortium um den finnischen Konkurrenten Kone nachgesagt.

Stand: 21.11.2019, 11:35