Thyssen-Krupp verschiebt Frist für Werks-Verkauf

Thyssen-Krupp verschiebt Frist für Werks-Verkauf

Von Stephanie Hajdamowicz

  • Grobblechwerk Duisburg-Hüttenheim soll verkauft werden
  • Thyssen-Krupp: "Verkaufstermin nicht mehr in Stein gemeißelt"
  • Über 800 Arbeitsplätze könnten wegfallen

Der Stahlkonzern Thyssen-Krupp gab am Montagvormittag (17.02.2020) bekannt, dass er die Verkaufsfrist für das Werk in Duisburg-Hüttenheim verlängern will. Er reagiert damit auf den Widerstand der Arbeiter und der IG-Metall. Eigentlich sollte das Werk bis Juni 2020 verkauft werden.

Werk droht Schließung, Mitarbeiter verärgert

Der Verkaufstermin sei jetzt nicht mehr in Stein gemeißelt, sagte ein Sprecher des Konzerns auf WDR-Anfrage. Findet sich dennoch kein Käufer, will Thyssen-Krupp das Werk in zwei Jahren schließen.

Im Falle einer Schließung sollen die rund 800 Mitarbeiter in anderen Werken untergebracht werden. Am Freitagmorgen legten die Mitarbeiter ihre Arbeit nieder. Am Vorabend hatte der Konzern bekanntgegeben, dass er das Werk verkaufen will.

Thyssen-Krupp in wirtschaftlichen Schwierigkeiten

Mitarbeiter protestieren vor dem Werk von Thyssen-Krupp in Duisburg-Hüttenheim

Am Donnerstagabend versammelten sich Mitarbeiter vor dem Werkstor.

Am Donnerstag waren erste Details zum Sparkonzept des angeschlagenen Industriekonzerns Thyssen-Krupp bekannt geworden. Demnach soll das Grobblechwerk in Duisburg-Hüttenheim bis Ende Juni 2020 verkauft werden. Falls sich kein Käufer findet, droht dem Werk mittelfristig die Schließung. 300 Mitarbeiter legten deshalb am Donnerstag die Arbeit nieder.

Am Freitagnachmittag gab es ein erstes Gespräch zwischen dem Stahlvorstand und den Betriebsräten in Duisburg. Eine Annäherung kam nicht zustande. Der Betriebsrat wehrt sich gegen das anvisierte Datum für die Schließung oder den Verkauf des Werks am 30. Juni. "Das ist zu viel Druck für uns", sagt Betriebsratsvorsitzender Mehmet Göktas dem WDR.

Betriebsrat befürchtet weitere Jobverluste im Konzern

Auch an anderen Standorten von Thyssen-Krupp könnten bald Jobs wegfallen. Einem Flugblatt zufolge, dass der Betriebsrat am Freitag verteilte, sollen in der Stahlsparte bis zu 2.800 Stellen wegfallen, bislang war nur von 2.000 Jobs die Rede. Die gefährdeten Jobs in Hüttenheim sind dabei nicht eingerechnet. Gut ein Drittel der Stellen sollen in der Verwaltung gestrichen werden.

Duisburgs Oberbürgermeister kritisiert Werksschließung

Oberbürgermeister Sören Link (SPD) besuchte das Werk am Freitagmorgen. Die Probleme seien nicht am Standort in Hüttenheim entstanden, sondern durch Fehlentscheidungen des Managements, die den Konzern Milliarden gekostet haben. "Dies ist erst der Anfang des Arbeitskampfes", sagte Link vor den Arbeitern.

"Wir sind schockiert, fassungslos. Vor allem auch, weil wir in den letzten zehn Monaten super gute Kennzahlen erreicht haben. Das ist eine Riesenohrfeige und Enttäuschung für uns", sagte Göktas weiter. Er sieht das Grobblechwerk als Bauernopfer für die Probleme des Konzerns.

Thyssen-Krupp schließt Werk in Duisburg

00:38 Min. Verfügbar bis 14.02.2021

IG Metall fordert Arbeitsplatzsicherung 

Thyssen-Krupp-Vorstand Oliver Burkhard begründet die Entscheidung gegen den Standort Hüttenheim so: "Wenn wir Spitzenklasse wieder erreichen wollen, müssen alle ihren Beitrag leisten. Wir werden niemandem etwas wegnehmen - aber mehr Flexibilität müssen wir auch von unseren Beschäftigten verlangen können. Weiter so ist keine Option."

Er zeigte Verständnis für die Enttäuschung in Hüttenheim. Mit der neuen Option, einen Verkauf bis Ende Juni zu prüfen, schaffe der Konzern aber die nötige Klarheit. Der Vorstand verspricht: "Wir werden den Mitarbeitenden in jedem Fall einen Arbeitsplatz an anderer Stelle im Stahl anbieten."  Damit reagiert er auf die Forderung der Gewerkschaft nach einer Arbeitsplatzsicherung für alle Mitarbeiter des Werks.

Entscheidung könnte Stellenabbau in weiterem Werk verursachen

Sorgen macht den Mitarbeitern auch, dass sich der geplante Verkauf des Thyssen-Krupp-Werks noch weiter auswirken könnte: Gleich gegenüber steht ein weiteres Werk. Es gehört der Firma "Krupp Mannesmann" und liefert laut den Betriebsräten einen Großteil des Materials für das Thyssen-Krupp-Werk. Deswegen müsse dann auch bei "Krupp Mannesmann" früher oder später Personal abgebaut werden.

Mit der IG Metall planen die Betriebsräte von Thyssen-Krupp weitere Aktionen für die nächsten Tage. Eine Betriebsversammlung mit dem Vorstand ist für Dienstag geplant. Kampflos will man das Thyssen-Krupp-Werk nicht aufgeben, an dem bisher Bleche für den Baumaschinenbereich, den Schiffsbau und für den militärischen Bereich gefertigt werden. 

Stand: 14.02.2020, 20:42

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