Thyssen-Krupp jetzt ohne Vorstandschef

Heinrich Hiesinger

Thyssen-Krupp jetzt ohne Vorstandschef

  • Thyssen-Krupp-Chef Hiesinger tritt zurück
  • Aufsichtsgremium nimmt Rücktrittsgesuch an
  • Nachfolge an Unternehmens-Spitze noch offen

Thyssen-Krupp steht ab sofort ohne Vorstandschef da: Der Aufsichtsrat des Essener Stahlkonzerns nahm das Rücktrittsgesuch von Konzernchef Heinrich Hiesinger am Freitag (06.07.2018) an. "Der Aufsichtsrat hat den Vorstand, bestehend aus Guido Kerkhoff, Oliver Burkhard und Dr. Donatus Kaufmann, gebeten, das Unternehmen zunächst ohne Vorsitzenden des Vorstands weiterzuführen", teilte der Konzern mit.

Das Rücktrittsgesucht hat den Aufsichtsrat offenbar überrascht. Die Nachfolge von Hiesinger solle in einem strukturierten Prozess erfolgen, hieß es. Es gehe "nun zunächst darum, auf Kurs zu bleiben", sagte Aufsichtsratschef Ulrich Lehner. Doch nicht einmal ein Übergangschef wurde eingesetzt.

"Einvernehmliche Auflösung" war erwünscht

Der 58-jährige Hiesinger hatte das Präsidium und den Aufsichtsrat um Gespräche gebeten, "die zur einvernehmlichen Auflösung seines Mandats als Vorsitzender des Vorstands der Thyssen-Krupp AG führen sollen". Das hatte der Konzern am Donnerstag mitgeteilt.

Gründe für Abgang noch nicht bekannt

Gründe für das Ansinnen Hiesingers nannte Thyssen-Krupp zunächst nicht. An der Börse reagierten die Anleger positiv auf die Meldung.

Hiesinger war im Zuge der Fusion der Stahlsparte mit dem Konkurrenten Tata zuletzt immer wieder unter Druck geraten, weil Anteilseigner wie der US-Hedgefonds Elliott oder Cevian Capital mehr Tempo bei dem seit langem angekündigten Umbau des Ruhrkonzerns gefordert hatten.

Fusion mit Tata ein Befreiungsschlag

Hiesinger stand seit sieben Jahren an der Spitze von Thyssen-Krupp. Die Vereinbarung mit Tata war für ihn ein lang erwarteter Befreiungsschlag. Vor dem Hintergrund von weltweiten Überkapazitäten beim Stahl schließen sich die Konkurrenten zusammen und gründen den zweitgrößten Stahlkonzern Europas.

Thyssen-Krupp und Tata sollen zunächst mit je 50 Prozent an dem fusionierten Stahlkonzern mit etwa 17 Milliarden Euro Umsatz und rund 48.000 Beschäftigten beteiligt sein.

Stand: 06.07.2018, 16:02