Chefwechsel überrascht 160.000 Thyssenkrupp-Mitarbeiter

Sedište koncerna ThyssenKrupp

Chefwechsel überrascht 160.000 Thyssenkrupp-Mitarbeiter

  • Guido Kerkhoff soll nach einem Jahr abtreten
  • Chefkontrolleurin Martina Merz soll übernehmen
  • Folgen für 160.000 Mitarbeiter noch unklar

Der Essener Ruhrkonzern Thyssenkrupp kommt nicht zur Ruhe: Wie in der Nacht zu Mittwoch (25.09.2019) bekannt wurde, soll Firmenchef Guido Kerkhoff nach nur einem Jahr abtreten. Das empfehlen zwei wichtige Ausschüsse des Aufsichtsrats. Faktisch kommt das einem angekündigten Rauswurf gleich.

Viele Probleme bei Industrie- und Stahlkonzern

Offiziell nennt der Konzern keine Gründe für den geforderten Abschied. Doch seit Jahren hat der Konzern viele Probleme: Die von Kerkhoff zur Rettung ausgedachte Firmenteilung wurde nach Kritik wieder abgesagt.

Die lange geplante Stahlfusion – geplatzt. Gleichzeitig hatte sich der Aktienkurs in einem Jahr fast halbiert. Der Abstieg aus der Topliga der Börse, dem DAX, war die Folge. Zudem drohen Verluste.

Der 51-jährige Kerkhoff war zwar erst im Juli 2018 zum Vorstandsvorsitzenden in Essen aufgestiegen. Davor war er aber schon seit 2011 als Finanzchef an vielen Entscheidungen beteiligt.

Betriebsversammlung Thyssenkrupp: Wieder Sorge um Stahl-Jobs

WDR 5 Profit - Topthemen aus der Wirtschaft 12.09.2019 03:12 Min. Verfügbar bis 11.09.2020 WDR 5 Von Jörg Marksteiner

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Erstmals Frau an der Spitze

In Finanzkreisen heißt es, seine Strategieschwenks könnten ihm als "Zick-Zack-Kurs" ausgelegt werden. Zuletzt hatte er angekündigt, dass die lukrative Aufzugsparte verkauft oder an die Börse gebracht wird, um die Firma finanziell zu stabilisieren.

Jetzt soll erstmals in 200 Jahren Firmengeschichte eine Frau an der Spitze von Thyssenkrupp stehen – zumindest übergangsweise: Martina Merz, seit Februar Chefkontrolleurin als Vorsitzende des Aufsichtsrats, übernimmt für maximal zwölf Monate selbst die Firmenleitung. In dieser Zeit soll ein neuer Konzernchef gefunden werden.

Folgen für Mitarbeiter noch unklar

Was sie im Detail anders machen will, ist noch unklar. Ebenso welche Folgen der Chefwechsel für die 160.000 Mitarbeiter haben wird. Zu ihren konkreten Plänen hat sich die frühere Boschmanagerin noch nicht geäußert.

In einer kurzen Mitteilung hieß es aber, dass die Neuausrichtung des Konzerns fortgesetzt werde. Das deutet darauf hin, dass möglicherweise konsequenter als bisher Firmenteile abgegeben und die Verwaltung verschlankt werden könnte

Bereits angekündigt ist der Abbau von 6.000 Stellen, davon 4.000 in Deutschland. Das wird auch Standorte im Ruhrgebiet treffen, Details sind aber noch offen. Ebenso, was aus den Stahlstandorten wie Duisburg-Hüttenheim und Bochum wird. Das soll sich bis Ende November entscheiden – zumindest nach bisherigen Plänen.

Thyssenkrupp unter Druck Markt 04.09.2019 07:11 Min. UT Verfügbar bis 04.09.2020 WDR

Stand: 25.09.2019, 08:29

Kommentare zum Thema

4 Kommentare

  • 4 Thyssianer 26.09.2019, 15:16 Uhr

    Ich bin seit 43 Jahren Thyssianerin und mir könnten die Tränen kommen in Anbetracht des Missmanagements der letzten Jahre und dessen, was aus unserem Konzern geworden ist. Die Wut kommt mir, wenn ich an die "Ent-Belohnung" dieser sogenannten Manager denke und daran, wer das Ganze wieder auszubaden hat und was für meine Kollegen und mich am Ende ihrer Lebensarbeitszeit übrig bleibt...Schämt euch!9

  • 3 Ron 26.09.2019, 11:24 Uhr

    Das Kerkhoff gehen muss haben alle erwartet und ist somit keinerlei Überraschung. Je eher umso besser. Nur nach ihm wird es mit Merz nicht besser. Da mit Hiesinger und Co ein unflexibles Bürokratiemonster geschaffen wurde, wo Berichtwesen (Contolling) wichtiger ist als der Kunde, sind die Tage von thyssenkrupp gezählt.

  • 2 Achim 25.09.2019, 18:34 Uhr

    Hart, wie Kruppstahl! Krupp kann sich eigentlich nicht auf einer rühmreichen Vergangenheit ausruhen. In beiden Weltkriegen hat man die Wehrmacht mit Kanonen, Panzern und sonstigem versorgt. Das ist mal wieder das beste Beispiel dafür, dass man Managern Millionen in den Arsch schießt für umgerechnet wenig Leistung. Sorry aber das kotzt mich eigentlich nur an, weil letzendlich die Arbeiter und Angestellten die Zeche bezahlen.

  • 1 thyssenkruppianer 25.09.2019, 18:16 Uhr

    Es ist ja nicht das erste Mal... Herr Kerkhoff reiht sich elegant ein. Wieder ein Name mehr, der das angezählte Unternehmen schwächer gemacht hat und sich mit einer Abfindung in Millionenhöhe auf die Suche nach einem neuen Opfer macht. Wieviel Vorstände diesen Kalibers verkraftet thyssenkrupp noch? Wo ist der Idealismus der früheren Konzernlenker? Auch Frau Merz wird nicht verhindern, dass eine unfassbar große Anzahl von Mitarbeitern den Arbeitsplatz verliert.

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