Thyssen-Krupp Stahl: Kranführer verlangt Sicherheit für seinen Job

Thyssen-Krupp Stahl: Kranführer verlangt Sicherheit für seinen Job 03:12 Min. Verfügbar bis 31.05.2020

Thyssen-Krupp Stahl: Kranführer verlangt Sicherheit für seinen Job

Von Stephanie Hajdamowicz und Mihri Basar

  • Verunsicherung unter den Stahlarbeitern ist groß 
  • Neuausrichtung soll im Herbst präsentiert werden
  • 2000 Stellen sollen im Stahlbereich gestrichen werden 

Bei Thyssen-Krupp steht nach dem Aus der Stahlfusion mit dem indischen Konkurrenten Tata alle Zeichen auf eine Neuausrichtung. Bis Jahresende sind die Arbeitsplätze von Deutschlands größtem Stahlbetrieb zwar noch abgesichert, aber was danach passiert, ist ungewiss.

Allein im Stahlbereich sollen 2.000 Stellen abgebaut werden, hat der Konzern verkündet. Bis zum Jahresende soll es dann eine neue Strategie geben. Die Mitarbeiter im Betrieb sind verunsichert wie noch nie zuvor.

Jeder Cent wird umgedreht

Heiko Theissen ist 50 Jahre alt. Er ist Kranführer, seit 25 Jahren im Betrieb. "Die Situation ist unsicher, ich fange an, über jeden Cent nachzudenken, den ich ausgebe. Bis Jahresende gibt es eine Sicherheit. Aber was ist danach, was passiert im Januar? Was wird aus meinem Haus? Ich muss noch Raten abzahlen. Da kriegst du schon Magenschmerzen, hoffst, es geht noch gut."

Der Kranführer arbeitet im Schichtsystem, hat schon lange schlaflose Nächte. Nicht nur durch die Nachtschichten, sondern auch wegen der Sorgen um seine Existenz. Und damit auch um seine Familie. 

Schichten knapp besetzt 

Kranführer Heiko Theissen ist kein Einzelfall. Er ist einer von etwa 18.000 Stahlarbeitern von Thyssen-Krupp Steel Europe, die beunruhigt sind. Ein Großteil davon arbeitet in Duisburg. Jetzt schon seien die Schichten in vielen Bereichen nur knapp besetzt, heißt es von den Vertrauensleuten. Weiter sparen, das ginge gar nicht. Auch wenn der Konzern beteuert, dass betriebsbedingte Kündigungen nach Möglichkeit vermieden werden sollen, glauben viele daran nicht mehr so recht. 

Unternehmenssprecher Mark Stagge sagt, dass in den nächsten Monaten Details ausgearbeitet und mit dem Betriebsrat besprochen werden. Aber so richtig weiß im Moment niemand, wie der Plan konkret aussehen könnte. Fakt ist: Es sollen tausende Stellen gestrichen werden. Wo genau, sei noch offen, so das Unternehmen. Den ganzen Sommer über werde man Strategien entwicklen, um sie möglichst im Herbst zu präsentieren, so Stagge.

Standorte in Gefahr

Die Verunsicherung bleibt. Standorte in Duisburg, Bochum und im Siegerland sollen in Gefahr sein. Horst Gawlik, stellvertretender Betriebsratsvorsitzender von Thyssen-Krupp Steel Europe und auch stellvertretender Gesamtbetriebsratsvorsitzender, sagt: "Wir erwarten jetzt, dass wir als Mitbestimmung in den ganzen Überlegungen des Konzernvorstands einbezogen werden. Einen Kahlschlag wird es mit uns nicht geben. In der Vereinbarung darf nicht nur "Zukunft" drauf stehen, sondern auch Zukunft drin stehen. Wir brauchen eine Perspektive für unsere Beschäftigten."

Langfristige Sicherheit 

Kranführer Heiko Theissen hofft auf eine langfristige Sicherheit für seinen Arbeitsplatz und für die der anderen. Denn das ständige Hin und Her, die dauernden neuen Nachrichten vom Stellenabbau und von geplatzten Fusionen machen ihn unruhig. "Ich will einfach nur meine Arbeit machen, solange bis ich in Rente gehe."

Auch er wird dabei sein, wenn die IG Metall am 29. Juni in Berlin protestiert. Dabei geht es nicht direkt um seinen Job im Stahlwerk, aber darum, wie in Zukunft gearbeitet werden soll und wo der Mensch dabei bleibt.

Stand: 31.05.2019, 15:46