"Gruppe S.": Thorsten W. aus Hamm sagt im Terrorprozess aus

Mann mit mittelalterlichem Helm und Schild, Gesicht gepixelt

"Gruppe S.": Thorsten W. aus Hamm sagt im Terrorprozess aus

Von Thomas Wöstmann

Der ehemalige Polizei-Angestellte Thorsten W. aus Hamm sagte auch am Mittwoch in einem Stuttgarter Terrorprozess aus. Er wird verdächtigt, Mitglied der rechtsterroristischen Vereinigung "Gruppe S." zu sein.

Seine Aussage stand auch am Mittwoch im Fokus. Das Gericht legte dem 51-jährigen Angeklagten Beweise vor, die auf eine lange rechtsextreme Vorgeschichte schließen lassen. Er selbst hatte sich noch am Dienstag als „unpolitisch" bezeichnet, "weder rechts noch links“. Er habe sich nur für das Mittelalter interessiert und dadurch Kontakt zu der Gruppe bekommen.

In der Wohnung lagen NS-Bücher und Hakenkreuze

Die Polizei hatte in seiner Wohnung aber reichlich belastendes Material gefunden: private Urlaubsfotos mit Hitlergruß und Hitlerbart, Exemplare von Hitlers "Mein Kampf" und andere NS-Literatur, außerdem Hakenkreuze auf Urkunden, Modellflugzeugen und Bildern. Bilder mit Mitgliedern der Waffen-SS hatte er selbst gezeichnet, und auf der Fensterbank fanden die Ermittler schließlich ein Bügelbild mit Hakenkreuz.

Er sei historisch interessiert, erklärte W. die brisanten Fundstücke dem Gericht, vor allem an der deutschen Militärgeschichte von 1933 bis 1945. „Den ganzen NS-Kram lehne ich aber ab“, sagte er im Gericht. Doch in Chats hatte er Deutschland als „Drecksland“ bezeichnet und im Internet Aufrufe geteilt, Flüchtlinge zu erschießen. W. bezeichnete das im Prozess als „Satire, wie sie auch Welke und Böhmermann verbreiten“ .

Thorsten W. war bei seinem Arbeitgeber Polizei schon auffällig

Bei der Polizei in Hamm war W. jahrzehntelang als Verwaltungsbeamter tätig, zuletzt zuständig für Verkehrsdelikte. Auch an seiner Dienststelle war seine politische Haltung schon Thema: Vor Vorgesetzten musste er sich schon im Herbst 2018 rechtfertigen, weshalb er das blaue EU-Emblem auf dem Nummernschild überklebt und Flyer gegen Angela Merkels Flüchtlingspolitik im Auto liegen hatte.

Er lehne die EU ab, sagte W. am Mittwoch – und die Bundeskanzlerin habe nachweislich verfassungswidrig gehandelt. Bei der Polizei sei die Sache damals nicht weiter verfolgt worden. W. und elf weitere Angeklagte werden beschuldigt, Terroranschläge geplant zu haben – vor allem bei einem Treffen in Minden im Februar 2020. Bei dem Treffen habe er nur unbeteiligt daneben gesessen, hatte Thorsten W. am Dienstag gesagt.

Stand: 28.04.2021, 17:28