Terre des Femmes fordert Verbot der Prostitution

Auf dem Foto ist ein Plakat, auf dem steht "Sex ist unbezahlbar". Im Hintergrund steht eine Frau, die offensichtlich einen Vortrag hält.

Terre des Femmes fordert Verbot der Prostitution

Von Catherine Jaspard und Christof Voigt

  • Prostitution in Deutschland verstoße gegen Menschenrechte
  • Viele Frauen werden zur Prostitution gezwungen
  • Stadt Dortmund begrüßt Diskussion um Prostitutionsverbot

In Dortmund fordert die Frauenrechtsorganisation Terre des Femmes eine neue Haltung zur Prostitution. Sie fordert die Einführung des „nordischen Modells“. Das stellt Freier, Zuhälter und Bordellbetreiber unter Strafe und entkriminalisiert Frauen in der Prostitution.

Zwangsprostitution und Menschenhandel sind alltäglich

Für Terre des Femmes ist Prostitution keine normale Arbeit, sondern immer Gewalt an Frauen. Nach Angaben der Organisation sind etwa 90 Prozent aller Prostituierten gegen ihren Willen im Milieu und müssen dort ihren Körper verkaufen.

Ehemalige Prostituierte erzählen uns, wie menschenunwürdig sie behandelt wurden. In jedem Bordell, in dem sie gearbeitet haben, seien sie und andere Frauen zur Prostitution gezwungen worden. Manchmal ganz subtil, manchmal mit Schlägen. Viele Frauen bräuchten Jahre, um aus dem Milieu raus zu kommen.

Ist Deutschland das Bordell Europas?

Das nordische Modell, das mittlerweile in vielen europäischen Ländern praktiziert wird, verbietet Prostitution grundsätzlich. Werden Freier beim Kauf einer Frau erwischt, müssen sie eine Strafe zahlen und bekommen einen Brief nach Hause geschickt. Das halte viele Männer davon ab, weiter zu Prostituierten zu gehen, so Terre des Femmes. 

Ein Anstieg von Vergewaltigungen ist in diesen Ländern nicht zu verzeichnen, es scheint also auch ohne käuflichen Sex zu gehen. Das Prostituiertenschutzgesetz, das vor zwei Jahren in Deutschland eingeführt wurde, habe alles nur verschlimmert, sagt Manfred Paulus.

Gesetz zur legalisierten Prostitution war kontraproduktiv

30 Jahre lang war er als Kriminalkommissar im Milieu unterwegs. Das Gesetz, das Prostitution legalisiert hat, habe Deutschland zum Bordell Europas gemacht, so Paulus: Wir sind Prostitutionstourismusland geworden, wir werden vom Ausland gesehen, wie wir früher Thailand gesehen haben, die Freiheit, die wir einräumen, die räumt sonst niemand mehr ein.

„Nordisches Modell“ auch in Dortmund denkbar?

Auf dem Foto ist ein Plakat: Auf diesem ist eine Frau mit auffälig rotem Lippenstift abgebildet. Der Eingang der Linienstraße.

Der Eingang zur Dortmunder Linienstraße, der Bordellmeile der Stadt: Die Bewegung Terre des Femmes will dem ein Ende setzen.

Und was sagen die Freier in Dortmund dazu? Die Prostituierten könnten das schon selber für sich entscheiden, sagt einer. Ob er merken würde, wenn eine Frau zur Prostitution gezwungen würde? „Eher nicht“ ist die Antwort. Einem anderer ist das egal, er bezahle die Frau ja.

Dortmund begrüßt Diskussion um generelles Verbot

Die Stadt Dortmund begrüßt die Diskussion über ein generelles Verbot der Prostitution, so wie es unsere Nachbarländer vormachen. Dortmunds Sozialdezernentin Birgit Zoerner betont, dass das „nordische Modell“ etwa in Schweden gut funktioniere.

Dort gebe es jetzt viele Hilfsangebote für ehemalige Prostituierte. Solche Angebote müssten in Deutschland erst noch geschaffen werden.

Zu wenig Schutz für Prostituierte WDR aktuell 18.02.2019 02:26 Min. Verfügbar bis 18.02.2020 WDR Von Meike Hendriksen

Stand: 22.11.2019, 19:05