Kumpel von Prosper-Haniel verabschieden sich

Zechengelände mit Besuchern

Kumpel von Prosper-Haniel verabschieden sich

Von Cedrik Pelka

  • "Tag der offenen Tür" auf Zeche Prosper-Haniel in Bottrop
  • Letzte Möglichkeit für Besucher, sich das Gelände anzuschauen
  • 2.000 Besucher fahren unter Tage

Normalerweise steht Metin Acikkol mitten im Staub und Dreck. Da, wo es so laut ist und kein Sonnenlicht hinfällt. Fast 700 Mal war er schon unter Tage. Heute ist es anders. Heute steht der Kumpel vor einer gelb-blauen Hüpfburg, in der Kinder herumspringen und schreien.

Tausende Menschen kommen zur Zeche

Kumpel Metin Acikkol

Kumpel Metin Acikkol

Beim "Tag der offenen Tür" haben sich am Samstag (08.09.2018) tausende Besucher angesehen, wo Acikkol seit 32 Jahren arbeitet. "Es ist wirklich schön zu sehen, wie viele Leute sich für uns interessieren", freut sich der Kumpel. Er hat seinen weißen Helm auf und trägt seine Schutzbrille an einem Band um den Hals. Immer wieder sprechen ihn Besucher an.

Da kommt auch Traurigkeit bei dem 48-Jährigen hoch: "So langsam realisiert man erst, dass das hier der Abschied ist. Vorher konnte man das nicht akzeptieren. Ich wollte das auch nicht akzeptieren." Im Dezember schließt das letzte aktive Steinkohlebergwerk Prosper-Haniel.

2.000 Besucher dürfen unter Tage

Also ist es auch die letzte Gelegenheit für Besucher, sich das Gelände anzuschauen. Im Vorfeld wurden 2.000 Karten an Menschen verlost, die eine Fahrt unter Tage machen dürfen. Um zum Schacht zu kommen, laufen sie an einem Karussell, einem Markt und mehreren Ausstellungen vorbei.

Familie Sonntag

Familie Sonntag

Familie Sonntag hat die Chance genutzt. "Das muss man einfach mal gemacht haben", sagt Mutter Verena. Sie ist mit ihrem Mann und ihren beiden Kindern hier. Tochter Nina war auch das erste Mal dort, wo seit Jahrzehnten eigentlich nur Bergmänner hindürfen: Unter Tage. "Es ist stockfinster, man darf keine Elektronik dabei haben und überall stehen große Maschinen", erzählt sie. Nur das viele Warten habe sie gestört: "Das hat echt gedauert, bis der Förderkorb kam."

Fest für Mitarbeiter und Familien

Nach ihrer Grubenfahrt gibt die Familie Helme und Schutzbrillen ab und geht weiter. Hinter ihnen steht schon die nächste Truppe, die sich den Schacht anschauen möchte.

Die Familie von Kumpel Acikkol kommt am Abend nach dem ganzen Rummel. Dann feiern die Bergmänner noch einmal mit ihren Verwandten und Kollegen. "Da unten herrscht so eine starke Kollegialität. Das kann man über Tage gar nicht nachvollziehen: Man hilft sich, man teilt sein Essen. Das ist ganz besonders."

Stand: 08.09.2018, 19:44

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