Essener Tafel nur noch für deutsche Neukunden

Archivbild: Ehrenamtliche der Essener Tafel verteilt Brot

Essener Tafel nur noch für deutsche Neukunden

  • Essener Tafel: Neukunden nur mit deutschem Pass
  • Anteil der ausländischen Bedürftigen massiv gestiegen
  • Tafeln in anderen Städten reagieren mit Unverständnis

Die Essener Tafel nimmt im Moment nur noch Neukunden mit deutschem Pass auf. Das bestätigte der Vorsitzende des gemeinnützigen Vereins in Essen, Jörg Sator, am Donnerstag (22.02.2018). Viele ältere Frauen und alleinerziehende Mütter hätten sich von den Migranten respektlos behandelt gefühlt, sagte er. Außerdem würden sich viele einfach vordrängeln. Zustände, unter denen gerade bedürftige Rentner und Alleinerziehende leiden würden.

Vorsitzender: Rentner und Alleinerziehende leiden

Einrichtungen wie diese Tafeln sammeln überschüssige Lebensmittel, die nach den gesetzlichen Bestimmungen noch verwertbar sind, und geben diese an Bedürftige ab. In den vergangenen Jahren habe sich aber der Anteil der ausländischen Bedürftigen massiv erhöht, sagte der Vorsitzende in Essen. Weil die Kinderzahl bei Migranten meist hoch sei, habe die Nutzerzahl faktisch bei bis zu 75 Prozent gelegen. Nun wolle man mit der Maßnahme wieder ein Gleichgewicht herstellen.

Starker Andrang überall in NRW

Tafel Bochum

Andrang bei der Bochumer Tafel

Der Landesverband der Tafeln bestätigt einen starken Andrang von Migranten in den vergangenen zwei Jahren. Davon seien alle Tafeln in Nordrhein-Westfalen betroffen, sagte die stellvertretende Vorsitzende Claudia Manousek. Andere Tafeln wie beispielsweise in Bochum-Wattenscheid kennen das Problem, sehen aber noch keinen Bedarf, so wie in Essen einzuschreiten.

"Wir nehmen alle so, wie sie kommen"

Die Tafeln in Oberhausen und Gelsenkirchen reagieren mit Unverständnis auf die Essener Entscheidung. Man verlange zwar einen Nachweis der Bedürftigkeit, heißt es dort, es werde aber niemand ausgeschlossen. "Wir haben 64 Nationalitäten unter unseren ausländischen Mitbürgern", so ein Helfer. "Wir nehmen alle so, wie sie kommen."

Dass es trotzdem kein Gedränge gibt, zeigt das Beispiel Bochum. Dort läuft die Lebensmittelausgabe ruhig ab. Ein möglicher Grund: Dort gibt es arabische Helfer mit Deutschkenntnissen, die korrigierend eingreifen können. Außerdem dürfen ältere Menschen ins Gebäude, ehe der große Andrang beginnt.

Stand: 22.02.2018, 19:15