Bottroper Apothekerskandal: gesundheitliche Nachteile für Krebspatienten

Mehrere Infusionsflaschen.

Bottroper Apothekerskandal: gesundheitliche Nachteile für Krebspatienten

Patienten, die mit gestreckten Krebsmedikamenten aus einer Bottroper Apotheke behandelt wurden, haben unter anderem mehr Infusionen bekommen, als andere Krebspatienten. Das hat eine Vergleichsstudie ergeben.

Der Bottroper Apotheker Peter S. hat in tausenden Fällen Krebsmedikamente mit viel zu wenig Wirkstoff hergestellt, um Profit zu machen. So hat es das Essener Landgericht 2018 festgestellt. Doch was das für die Patienten der Bottroper Apotheke bedeutet, stand bis heute nicht fest.

Eine Vergleichsstudie zeigt nun, dass Patienten der Bottroper Apotheke öfter und länger mit Krebsinfusionen behandelt wurden als andere. Ein Hinweis darauf, dass die Medikamente tatsächlich gestreckt worden sind.

Langfristige Folgen nicht bekannt

Auffallend sei zudem, dass bei den Bottroper Patientinnen mit Brustkrebs die Zeit bis zum Wiederauftreten von Tumoren deutlich kürzer war als bei Patientinnen, die mit Infusionen aus anderen Apotheken versorgt wurden.

Die Studie im Auftrag des Gesundheitsministeriums sagt aber auch, dass zumindest niemand vergleichsweise früher an Krebs verstorben ist als andere Patienten. Um langfristige Auswirkungen zu beurteilen, müssten aber wesentlich mehr Daten über eine längere Zeit geprüft werden.

Lange Haftstrafe für Apotheker

"Bei dem Fall des Bottroper Apothekers handelt es sich um ein unfassbares Verbrechen, das mich zutiefst erschüttert hat. Das Vertrauen in eine ordnungsgemäße Arzneimittelversorgung wurde durch diesen Fall schwer beschädigt", erklärt Gesundheitsminister Laumann.

Angeklagter im Gerichtssaal Essen; Gesicht unkenntlich

Der angeklagte Apotheker im Gerichtssaal

Der 48-jährige Apotheker wurde 2018 wegen Betrugs und Verstoßes gegen das Arzneimittel-Gesetz zu 12 Jahren Gefängnis verurteilt. Da er im Gerichtsverfahren geschwiegen hat, ist bis heute nicht klar, wer unterdosierte Krebstherapien bekommen hat und wer nicht.

Stand: 13.04.2021, 17:10