Studie: Schlechte Karten für das Ruhrgebiet

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Studie: Schlechte Karten für das Ruhrgebiet

  • 96 deutsche Regionen untersucht
  • Ruhrgebiet baut Arbeitslosigkeit langsamer ab
  • Auch städtische Schulden hoch

Ein roter Streifen erstreckt sich rings um Ruhr und Emscher: Die Landkarte in der Studie "Die Zukunft der Regionen in Deutschland", die das Institut der deutschen Wirtschaft am Donnerstag (08.08.2019) vorgestellt hat, zeigt mitten in NRW einen bedenklichen Farbklecks. Das IW hatte für die Analyse mit mehreren externen Wissenschaftlern nach Regionen mit Wachstumsschwächen gesucht – und sieht dort akuten Handlungsbedarf für die Politik.

Die Ökonomen haben zwölf unterschiedliche Maßstäbe angelegt, um Trends aus den Bereichen Wirtschaft, Demografie und Infrastruktur herauszuarbeiten. Bei den wirtschaftlichen Gesichtspunkten ging es unter anderem um die Arbeitslosenquote. Hinkt eine Region dort bei der Entwicklung dem durchschnittlichen Trend in ganz Deutschland hinterher, ist das ein schlechtes Zeichen. Untersucht wurden Daten der Jahre 2011 bis 2017.

Ostdeutschland holt wirtschaftlich auf

Während in vielen ostdeutschen Regionen die Arbeitslosigkeit zu Beginn des Jahrzehnts noch ähnlich hoch war wie in vielen Ruhrstädten, entspannte sich die Lage in Ostdeutschland viel deutlicher als hier. Die schlechteste Trend-Entwicklung gab es laut IW in den Regionen Emscher-Lippe und Duisburg-Essen.

Auch die Wirtschaftsleistung, die Kaufkraft und die Überschuldung privater Haushalte zählten zu den Kriterien der Studie im Bereich Wirtschaft. Neben dem Ruhrgebiet schnitten unter anderem die Region Bremerhaven und das Saarland schwach ab.

Hoher Schuldenstand in NRW-Kommunen

Positiver steht ganz NRW beim Themenfeld Demografie da. Die Entwicklung der Einwohnerzahl, des durchschnittlichen Alters und der Lebenserwartung sieht das IW vor allem in Ostdeutschland kritisch. Im Bereich Infrastruktur dagegen prangt wieder die Warnfarbe Rot an Rhein und Ruhr.

Hier ist es vor allem der vergleichsweise hohe Schuldenstand der Städte und Gemeinden, der den Ökonomen Sorgen macht, neben dem Ruhrgebiet auch im Städtedreieck zwischen Köln, Bonn und Aachen. Bei den Themen schnelles Internet und Immobilienpreis-Entwicklung schnitt NRW besser ab.

Neue Ideen für Regionalförderung

"Die betroffenen Länder sollten Schuldenerlasse für die Kommunen in Betracht ziehen, damit diese wieder handlungsfähig werden", so der Vorschlag von Michael Hüther, dem Direktor des arbeitgebernahen Wirtschaftsforschungsinstituts. In NRW ist ein Hilfsprogramm für klamme Städte in der politischen Diskussion. Generell regen die Autoren der Studie an, über neue Wege der Regionalpolitik nachzudenken. Es sei kein "Gießkannen-Ansatz" gefordert.

Gesamtfazit der Analyse: Von den 96 Regionen, die die Wissenschaftler definiert haben, sehen sie in 19 Gebieten "akuten Handlungsbedarf" für die Politik – darunter die vier Regionen im Ruhrgebiet, zudem die Räume um Bremerhaven, Saarbrücken, Ostholstein und weite Teile Ostdeutschlands, wo elf der 19 Problemregionen liegen.

Stand: 08.08.2019, 11:32

Kommentare zum Thema

4 Kommentare

  • 4 Emscherhusar 08.08.2019, 20:21 Uhr

    Die Ursache, dass große Teile unseres Ruhrgebietes so heruntergekommen sind liegt in 40 Jahren miserabeler SPD Politik, die keine Perspektive hatte. Mancher der verantwortlichen Parteibonzen lebt nun z. B. im grünen Essener Süden und erfreut sich dort eines mit dicken Pensionen bestückten Ruhestandes. Die Malocher blieben im Norden. Glück Auf.

  • 3 Sandra 08.08.2019, 18:02 Uhr

    "Hier ist es vor allem der vergleichsweise hohe Schuldenstand der Städte und Gemeinden, der den Ökonomen Sorgen macht." Ein hoher Posten in den Städten sind die enorm gestiegenen Sozialausgaben. Trotz der angespannten wirtschaftlichen Situation und hoch verschuldeten Städten in NRW, werden weiterhin nach dem Königsteiner Schlüssel ca. 21 % der Asylbegehrenden in Deutschland NRW zugewiesen (im wirtschaftlich starken Bayern und Baden-Württemberg sind es nur 15 bzw. 13 % Quelle: BAMF) + Armutsmigranten z. B. in Duisburg-Marxloh, Hagen, Leverkusen-Wiesdorf..., zusätzlich müssen mehr Wohnungen und Kindergarten- bzw. Schulplätze bereit gestellt werden. Das alles kostet Geld, was in den oftmals überforderten Städten nicht vorhanden ist und somit werden die zahlenden Bürger mit hohen Grundsteuern und Abgaben zusätzlich belastet. Und jetzt wieder ganz schnell löschen, lieber WDR.

    Antworten (3)
    • Heinzb aus nrw 08.08.2019, 19:37 Uhr

      Nach der Verteilung über das Königsteiner Schlüssel , entgegen Dublin , wollen und sollen die verantwortlichen Parteien dieses Beschluss die Kosten tragen und nicht der Steuerzahler .

    • Kumpel Anton 08.08.2019, 22:11 Uhr

      Die Schulden sind nicht von Gott gegen sondern vielfach hausgemacht. Beispiel: Die allesamt roten Bürgermeister konnten sich nicht einmal auf eine gemeinsame Spurweite der Strassenbahnen einigen. Jede Stadt hat ihre eigene Verkehrs AG mit einem üppig bezahlten Vorstand mit Behördenwasserkopf etc. Mit einer einzigen Verkehrs Ag für das gesamte Ruhrgebiet, mit einer einheitlichen Ausrüstung und einer einzigen Reservehaltung, etc. hätten die Städte über Jahre viele Millionen sparen können, allerdings so manchen strammen verdienten SPD Genossen nicht mit einem gutgezahlten Posten bedienen können.

    • Bergischer Löwe 09.08.2019, 07:26 Uhr

      Tja, wen wundert es. Die Infrastruktur in NRW zerbröselt, die Hebesätze für Gewerbesteuer sind fast die höchsten in der BRD, unklare EU Richtlinien werden in Deutsches Recht umgesetzt und müssen erst mit BGH Urteilen geklärt werden. Politiker ohne Ahnung von dem Sachgebiet geben Mio. € für Berater aus. Autobahnbrücken sind marode so das der Lieferverkehr riesige Umwege fahren muss, Schienennetz zerfällt, Schifffahrtswege sind mit maroden Schleusen unpassierbar u.vm. Da wundert sich dann noch einer, das die Region nicht attraktiv für Unternehmer ist ? Aber da werden Gelder für die Sanierung der Infrastruktur nicht abgerufen, weil angeblich Personal fehlt ? Da verdienen Leiter von Behindertenwerkstätten mittlere 6 Stellige Summen. Man muss sich den Hut schon Aufschrauben lassen um nicht zu erkennen, das es den Politkern in unserem NRW am A....vorbei geht, wie es hier aussieht. Hauptsache der eigene Geldbeutel ich prall gefüllt und die Pension stimmt.

  • 2 Heinzb aus nrw 08.08.2019, 17:00 Uhr

    Woher hoher Schuldenstand und wem seine Schuldenlasten sollen es sein ? Das bei maroder Infrastruktur , maroden Straßen , maroden städtischen Einrichtungen , maroden Gebäuden , fehlenden Schulplätzen und Wohnungen, maroder öffentlicher Verkehr , Aber der Wille der regierenden Politiker , neue zusätzliche Verpflichtungen zu übernehmen auf Kosten der steuerzahlender Bevölkerung , Dieses ungefragt und nun großes Gejammer , das Geld treicht nicht vorne und hinten und bei dem kommenden Abschwung . Alternativ nochmals Steuererhöhung auf Prämisse Klima und Umwelt . Denn Geld muss her , dringend und viel , darum Steuern hoch und zusätzlich. Um zu bekämpfen die Fehler der regierenden Politik .

  • 1 Mich@ 08.08.2019, 16:54 Uhr

    Tja wie hoch sind die Investitionen noch mal in Stuttgart 21 ?