Symbolbild: Polizei und Ordnungsamt versammeln sich vor einem Friedhof

Essen: schärfere Regeln für Großbestattungen

Stand: 28.12.2021, 19:14 Uhr

Für Großbestattungen auf Essener Friedhöfen plant die Stadt ein verschärftes Sicherheitskonzept. Hintergrund ist unter anderem ein Übergriff auf einen Friedhofsmitarbeiter bei einer Beerdigung im Juli 2021.

Im vergangenen Sommer hatte ein Fall auf dem Friedhof "Am Hallo" für Aufsehen gesorgt: Am Rande einer muslimischen Bestattung hatten Trauergäste den Friedhofsleiter geschlagen. Es soll sich dabei um die Beerdigung eines mutmaßlichen Clanmitglieds gehandelt haben.

Nach Angaben der Stadt hatte es auf dem Friedhof in der Vergangenheit noch weitere Vorfälle gegeben – darunter eine Spuckattacke gegen eine Friedhofsmitarbeiterin und verbale Übergriffe.

Stadt spricht von Einzelfällen

Grundsätzlich seien die 23 kommunalen Friedhöfe in Essen sicher, sagt die Stadt. Allerdings "wird die Situation durch einige wenige Einzelfälle negativ überlagert". Die Schwerpunkte liegen demnach vor allem bei "wenigen muslimischen Großbestattungen aus dem Bereich der sogenannten „Clan“-Familien auf dem Friedhof „Am Hallo“ - wie auch der Vorfall am 01. Juli 2021 zeigt", heißt es im Beschlussvorschlag der Stadt.

Verschärfte Regeln

Nun will die Stadt schärfere Regeln für solche Großbestattungen einführen. Stadtsprecherin Silke Lenz sagte dem WDR: "Wir haben jetzt sehr klare Regeln aufgestellt, von denen wir nicht abweichen werden." Zum Beispiel sollen Termine für Großbestattungen erst nach Zusage von Polizei und Ordnungsamt bestätigt werden. Außerdem soll durch die Behörden und den Verfassungsschutz geprüft werden, ob es sich um Verstorbene aus einer "Großfamilie" handelt.

Auch externes Sicherheitspersonal soll auf Kosten des Bestatters und der Angehörigen zum Einsatz kommen. Zudem soll die Präsenz von Ordnungsamt und Polizei am Tag der Beisetzung erhöht werden.

Die Linke spricht von Diskriminierung

Die Essener Linken sehen die Pläne dagegen kritisch. Ratsfrau Theresa Brücker erklärte dem WDR dazu: "Es darf keinen Generalverdacht gegenüber muslimischen Großfamilien geben." Brücker hält dabei den "Clan-Begriff" für sehr schwammig. Er werde bezogen auf organisierte Kriminalität im Familienverbund. Aber eben nur, wenn es um muslimische Menschen gehe. Das sei an dieser Stelle im Zweifelsfall diskriminierend, so Brücker.

Auch Vandalismus ein Problem

Die Stadt will aber auch gegen den anhaltenden Vandalismus auf den Friedhöfen etwas tun und nennt in diesem Zusammenhang den 19. April 2021. Damals hatten Unbekannte die Bergmannsfigur auf dem Nordfriedhof gestohlen und es wurden rund 100 Gräber beschmiert. Die Stadt plant mit Videokameras an "Kriminalitätsschwerpunkten" das Problem in den Griff zu bekommen.