Vorwürfe ans Rote Kreuz: Mitarbeiter bespitzelt?

Eingangsbereich der Erstaufnahme-Einrichtung

Vorwürfe ans Rote Kreuz: Mitarbeiter bespitzelt?

  • Aufzeichnungen über Privatverhalten von Mitarbeitern aufgetaucht
  • Verdi hat Landesdatenschutzbeauftragte eingeschaltet
  • Geschäftsführung des Roten Kreuzes bestreitet Spitzeleiabsicht

Heikles Thema bei einer Betriebsversammlung in der Erstaufnahmeeinrichtung Unna-Massen: Aufzeichnungen über Mitarbeiter, die so nicht hätten gemacht werden dürfen.

Der Ordner hatte es in sich: Mitarbeiter X komme zu spät, Sicherheitsmann Y habe eine Alkoholfahne, Angestellter A verbringe seine Pausen knutschend mit Kollegin B im Auto, war dort notiert. Das sagen diejenigen, die es gelesen haben. Sieben Seiten mit handschriftlichen Aufzeichnungen waren im Sommer 2018 gefunden und auch der Gewerkschaft zugespielt worden.

Keine Einigung auf der Betriebsversammlung

Nach mehreren Anläufen hat sich am Mittwoch (09.01.2019) ein Großteil der 60 Mitarbeiter in der Erstaufnahme-Einrichtung zur Betriebsversammlung getroffen. Gestritten wurde über den Vorwurf von systematischer Überwachung privater Angelegenheiten.

Ein Teil der Belegschaft ist empört, andere Mitarbeiter wollen lieber nicht mehr darüber reden. Ernsthaft zu befürchten hat wohl keiner mehr etwas: Personelle Konsequenzen hat die Betriebsleitung genauso ausgeschlossen wie die Fortführung solcher Aufzeichnungen. Darauf achten die Datenschützer jetzt auch ganz besonders.

Verbesserte Betriebsabläufe?

Die Leitung der Erstaufnahmestelle Unna-Massen bestreitet auch jede Spitzelabsicht. Man habe "vereinbart, betriebliche Prozessabläufe zu notieren, um sie zu optimieren und Störungen beheben zu können", heißt es in einer Stellungnahme der Geschäftsführung der DRK-Betreuungsdienste Westfalen-Lippe GmbH. Man habe sich mit dem Betriebsrat geeinigt, den entsprechenden Ordner zu vernichten.

Untersuchung durch Landesbehörde

Weder der Betriebsratsvorsitzende noch die Mehrheit der Mitglieder sind Verdi-Aktivisten. Die Gewerkschafter wollen die Einigung nicht mittragen und haben die Vorgänge öffentlich gemacht. Verdi-Sekretär Jens Ortmann spricht dagegen von "systematischer Bespitzelung", Spionage und Verstößen gegen Arbeitsrecht und Datenschutz. Die Gewerkschafter haben jetzt die Landesdatenschutzbeauftragte um eine Untersuchung gebeten.

Mitarbeiter-Bespitzelung beim DRK-Betreuungsdienst in Unna-Massen? 00:49 Min. Verfügbar bis 09.01.2020

Stand: 09.01.2019, 14:13