Bochumer Skandal-Priester soll vor Gericht im Vatikan

Nikolaus A. zelebrierte

Bochumer Skandal-Priester soll vor Gericht im Vatikan

Von Carmen Krafft

Der mehrfach wegen sexuellen Missbrauchs verurteilte Priester Nikolaus A. soll vor das oberste Kirchengericht. Als Ruheständler war er zuletzt in einer Bochumer Gemeinde tätig.

Die Geschichte des Priesters ist durchzogen von Vertuschen und Verschieben durch die katholische Kirche. Nikolaus A., heute 87, soll sich nach mehreren strafrechtlichen Verurteilungen wegen sexuellen Missbrauchs jetzt auch vor dem Vatikan-Gericht verantworten. Jahrzehntelang hat die zuständige Kirchenleitung im Bistum Köln den pädophilen Geistlichen regelmäßig in andere Bistümer versetzt - unter anderem an die Ruhr.

Betreuung von Kommunion-Kindern trotz Vorstrafen

Bischof Franz-Josef Overbeck besucht 2019 die Bochumer Gemeinde St. Joseph und entschuldigt sich

Bischof Franz-Josef Overbeck: "Ich wusste von keiner konkreten Tat"

17 Jahre lebte der aus Köln stammende Priester Nikolaus A. in der Wattenscheider Gemeinde St. Joseph als Ruheständler, arbeitete aber weiter mit Messdienern und Kommunionskindern. Die Gemeinde erfuhr nichts von früheren Verurteilungen als Sexualstraftäter. Erst im vergangenen Jahr legte Bischof Franz-Josef Overbeck die Karten auf den Tisch, bat die Gemeinde um Entschuldigung. Der Fall A. war bei der Durchsicht aller Priester-Akten aufgefallen.

"Die Kirche gibt nur zu, was nicht zu verleugnen ist"

Gebäude der St. Joseph Gemeinde in Bochum

In der St. Joseph Gemeinde in Bochum lebte Nikolaus A. als Ruhrständler

Das damalige Angebot des Bischofs Overbeck, zurückzutreten, beeindruckte Gemeinderats-Vorstand Burkhard Bukowski wenig "Man hat den Eindruck, die Kirche reagiert nur dann, wenn etwas nicht mehr zu verleugnen ist." Tatsächlich schien das Erzbistum Köln mit dem Fall von Nikolaus A. jetzt in einem großen Sonderbericht zeigen zu wollen, wie Kirchenobere Hinweise von Opfern nicht nur ignorierten, sondern die Kirchenbasis weiter einem pädophilen Täter aussetzten.

Erzbistum Köln hat Aufarbeitung gestoppt

Doch das Erzbistum Köln hat den Sonderbericht über Priester A. zurückgezogen, weil Ex-Verantwortliche mit Klagen drohen. Neben dem bekannten Missbrauch von Kindern in u.a. in Essen-Kettwig und Moers, sollten im Bericht der Kölner neue Fälle von A. benannt werden. Das Bistum Essen hatte nach eigenem Bekunden zwar nie Einsicht in die Kölner Personalakte von A., will aber seinen Teil am Vertuschen in der Bochumer Gemeinde nächste Woche genauer dokumentieren.

Entfernung aus dem Priester-Amt mit 87 Jahren?

Doch was könnte ein kirchenrechtliches Verfahren beim obersten Gericht für den 87-jährigen Priester bedeuten? Der hochbetagte Bewohner eines Altenheim im Ruhrgebiet könnte aus dem Priesteramt entfernt werden. Vielleicht ein bisschen spät.

Stand: 12.11.2020, 14:51