Rätsel um mysteriöse Stelen neben Gedenkorten in NRW gelöst

zwei Hagener Künstler mit einer Stele im Atelier

Rätsel um mysteriöse Stelen neben Gedenkorten in NRW gelöst

Von Christof Voigt

  • Hagener Künstlergruppe für missverständliche Aktion verantwortlich
  • Stelen an zwölf Orten in NRW aufgestellt
  • Polizei entfernte die meisten
  • Künstler wollen neue Formen des Gedenkens entwickeln

Nach vielen Irritationen um aufgestellte und wieder entfernte Stelen hat sich eine Hagener Künstlergruppe am Freitag (07.02.2020) als Urheber geoutet. Die "Kooperative K" hatte am 75. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz (27. 01.2020) insgesamt zwölf Stelen aufgestellt. Und zwar in Dortmund, Hagen und Köln. Die Stelen hatten die Form von Schornsteinen und waren mit Inschriften aus Konzentrationslagern besprüht. Die meisten wurden deshalb von der Polizei entfernt.

Aktion sollte mahnen

Dietmar Schneider, der Kopf des Hagener Künstlerkollektivs, bedauert, dass die Aktion falsch interpretiert wurde. Zwischenzeitlich war sogar der Verdacht aufgekommen, es könne sich um eine Aktion von Neonazis handeln. Er habe nicht die Gefühle von Angehörigen der Opfer verletzen wollen.

Die Künstler haben mit der Aktion mahnen wollen. Und zwar davor, dass Nazis nie wieder an die Macht kommen dürfen. Das habe auch auf einem Flyer gestanden, von dem die Künstler an jeder Stele insgesamt 120 ausgelegt hatten. Die waren aber vom Winde verweht worden, die Säulen wurden ohne diese Erklärung missverständlich.  

Stelen an Gedenkorten für Opfer rechter Gewalt

gemauerte Stele mit Schrift neben Gedenkstein für Mehmet Kubaşık

Wie ein Schornstein: Die Stele neben dem Gedenkstein für Mehmet Kubaşık

Für die Stelen hatten sie sich Mahnmale ausgesucht, wo Nazis früher und Neonazis in der jüngeren Vergangenheit gemordet haben. Zum Beispiel in Dortmund, direkt neben dem Gedenkstein für Mehmet Kubaşık. Der war dort von Rechtsterroristen des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU) im April 2006 ermordet worden.

Keupstraße in Köln

Eine Stele stand auch in der Kölner Keupstraße. Dort hatte der NSU im Juni 2004 einen Nagelbombenanschlag verübt, bei dem 22 Menschen zum Teil schwer verletzt wurden. In Hagen stellten die Künstler insgesamt vier Stelen auf. Unter anderem vor einem Haus, in dem eine jüdische Familie lebte, bis sie von den Nazis deportiert und umgebracht wurde.

Podcasts zu Gedenkorten

Den Gedenkstein für Mehmet Kubaşık etwa nehme aber doch kaum jemand wahr, sagt Schneider. Vor allem jüngere Menschen würden da meist einfach vorbei laufen. Deshalb sei es wichtig, neue Formen des Gedenkens zu entwickeln. Die Gruppe werde in den nächsten Monaten ein etwa 40 minütiges Video von der Aktion schneiden.

Das soll später an Schulen gezeigt werden, um Schüler für die Geschichten hinter den Morden zu interessieren. Außerdem werden die Künstler zu jedem Ort, an dem sie die Stelen aufgestellt haben, eine Geschichte aufschreiben. Die soll dann gelesen und als Podcast online gestellt werden können.

Stand: 07.02.2020, 16:17